Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 146)
- Language
- German
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141 auch eine Königsheirat dargestellt. Als Sulamit in der Nacht dahinstreift, um ihren Freund aufzusuchen, sieht sie, wie Salomos Braut auf einer Prachtsanfte mit reichem Gefolge in den königlichen Palast geleitet wird (3, 3 ff). Salomo heiratet (das. v. 11) und wir hören (4, 8—16) die Worte, mit denen er seine Erkorene begrüsst. Die Partie 4, 8—5, 2 giebt keinen Sinn, wenn man sich unter den in ihr redenden Personen Sulamit und ihren Freund denkt. Die Gefeierte wird hier ״Braut44 oder ״meine Schwester Braut44 angeredet. Diesen Namen hat Sulamit in dem ganzen Buche nicht, man hätte ihn wenigstens in 5, 2 finden müssen, wo ihr Freund die allerliebsten Schmeichelnamen für sie hat *). ״Braut44 klang doch wol nicht zu prosaisch, aber Sulamit war eben keine solche, sie war nur die Geliebte ihres Freundes. Die Schilderung wie die Aufforderung (4, 8—16) kann der Dichter nur Salomo in den Mund gelegt haben, der so die Braut, die eben seine Gemahlin geworden, bei sich empfängt, und man muss füglich die bis 5, 1 reichende Partie als eine Scene im Palaste des Königs ansehen. Es ergiebt sich daraus, dass im hohen Liede zwei Liebespaare auftreten und zwar Sulamit und ihr Freund, der Hirte, und dazwischen Salomo und seine Braut. Diese kommen gar nicht in Berührung mit einander, es ist dem Dichter nur darum zu thun, sie zu einander in Parallele zu stellen und den Unterschied zwischen der Liebe, die hier und der, die dort herrscht, ersiehtlieh zu machen. Wir werden demnach den Gang der durch das hohe Lied sich hindurchziehenden Handlung, durch die dargestellt wird, wie Sulamit den Freund, zu dem sie unwiderstehlich sich hingezogen fühlt, sucht und nach verschiedenen Phasen, in denen sie ihm immer nahe zu sein glaubt, ohne dass dies in Wirklichkeit der Fall ist, ihn findet, währenddem inzwischen König Salomo eine Braut sich erwählt hat, in folgender Weise skizziren können. 1. Ein Chor von Mädchen, die sich in der Umgebung des Königs befinden, preist seine Beize und das Glück, liebend in seiner Nähe zu weilen (1,2-5). 2. Sulamit tritt auf und erzählt den Töchtern Jerusalems, denen eine Erscheinung wie die ihre ungewohnt ist, ihr Geschick, sie sei schwarz aber anmutig, dis Sonne habe ihr das Gesicht verbrannt, die Brüder haben aus Zorn gegen sie, sie zu einer Weinbergshüterin gemacht, den eigenen Weinberg kann sie nun nicht hüten (5—7)**) (dass sie einen Freund hat, der sie *) Man hat sich bereits daran gewöhnt, ״ (9 ,6;2 ,5) תמתיmeine Fromme“ oder ״meine Einfalt44 zu übersetzen. In b. Chul. 141b wird von einem, wie es scheint, der Taubengattung angehörenden Vogel ת מ די gesprochen, den ein Mitarbeiter der Zeitschrift הברמל auch in dem תמתי des Hohen Liedes erkennt. **) Der Vergleich der Gestalt Sulamit’s mit den ״Vorhängen Salomo’s44 scheint gesucht, selbst wenn man ihn nur von ihrer Lieblichkeit gelten lässt