Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 145)
- Language
- German
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140 frägt. ״Bort Duft und Salben, Wein und Freuden, Freundinnen und Königskammern, Mer eine Hirtin auf offener Flur, ein schwarzes von den Töchtern der Stadt beneidetes Landmädchen.“ ״Er küsse mich mit seines Mundes Küssen“ das kann nicht die Sulamit verlangt haben, die da weiss, wie wenig es sich ziemt, dass ein Mädchen einen fremden Mann küsst, wenn er auch ihr Geliebter ist (8, 1), Sulamit preist in dem ganzen Buche nicht die köstlichen Liebesergüsse des Freundes, die hier (1, 2) mit dem Weine verglichen werden, und wird endlich auch nicht daraus ein Lob für ihn gemacht haben, dass die ״Mädchen“ ihn liehen, ihm nachlaufen, sich mit ihm freuen und an der Gemeinschaft mit ihm sich ergötzen (Y. 4). Offenbar spricht, wenn dies durchaus Worte einer Einzelperson sein sollen, hier eine andere Jungfrau als Sulamit, und zwar ist diese Bede wiederum nicht an Sulamits Freund, sondern an den König Salomo gerichtet. Man findet aber bei näherer Einsicht bald, dass dieser Prolog nicht von einer Einzelperson gesprochen wurde. Grätz (das salomonische Hohelied S. 28) hat bereits darauf aufmerksam gemacht, dass die Singularsuffixe der Verba משכני und הביאני (Y. 4) nur ungenauer Schreibung ihr Dasein verdanken und man, um die Congruenz des Numerus in diesen Versen herzustellen, משכנו und הביאנו lesen müsse, aber dennoch nicht beachtet, dass dann auch ישקני (Y. 2) in ישקנו verwandelt werden müsse. Das Buch beginnt mit einem Chore der Jungfrauen, die sich an Salomos Hofe befinden und die Wonnen preisen, deren sie in seiner Nähe sich erfreuen*). Als eine zu jenen Jungfrauen scharf constrastirende, bei den Töchtern der Stadt Jerusalem Verwunderung erregende Mädchengestalt tritt dann Sulamit auf und aus der Darstellung ihres Liebesverhältnisses sollen diese erkennen, wie die Treue, die in demselben waltet, den Glanz, von dem eine Hof ehe umgeben ist, weit überstrahle. Es wird im Verlaufe der Handlung *) Die Schwierigkeiten, die die ersten Verse den Exegeten bereiten, lassen sich ohne Mühe beheben. V. 2 beginnt in der 3. Person, um die Beziehung des Ganzen auf den v. 1 genannten Salomo herzustellen. Nachdem dieses angedeutet ist, tritt sofort die directe Bede ein. V. 2 u. 3. können nicht getrennt werden, man muss hierzunächst wie in 4,10 lesen כי טובים דודיך מיין וריח שמניך מכל בשמים (vgl. auch die LXX). Incorrect ist auch der Passus טובים משמן תורק שמך. Man kann es nicht ganz in Ordnung finden, dass der Name, nach Koh. 10,1 der gute Buf, hier besungen wird. In שמך ist ein נ ausgefallen und man wird, wenn man תורק sich aus רוקח (Koh. 10, 1) verderbt denkt (תמרוק, wie Grätz vorschlägt, wird weder singularisch noch in Status constructus mit שמן gebraucht) vielleicht zu lesen haben: טובים משמן רוקח שמניך. Endlich ist אהבוך (v. 4) hier nicht am Orte, es muss dafür 10 ,7) הולך) oder יתחלך (Spr. 22, 31) eingesetzt werden. — Bei einer durchgängigen plural. Fassung dieser Worte wird man sich nicht dazu bequemen müssen, הביאנו (für הביאני v. 4) hypothetisch zu nehmen. Die Jungfrauen preisen sich darob glücklich, dass es der König ist, der in seine Gemächer sie eingeführt hat.