Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 144)
- Language
- German
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139 die Intention des Dichters zu verdeutlichen und den Zusammenhang ersiehtlieh zu machen, der zwischen ,den einzelnen Theilen des hohen Liedes besteht. Es stellt auch ohne Zuhilfenahme ferne liegenden Beiwerkes als ein wolgeordnetes, festgefügtes und feingegliedertes Kunstwerk sich dar, und wenn man nur einzelne Textfehler beseitigt, welche hie und da die Wegspuren verwischt haben, so lässt sich auch das Pfadnetz bald entwirren, das durch diesen lieblichen Irrgarten sich hindurchwindet. Man kann mit Herrn Prof. Kämpf, der in seiner meisterhaften Uebersetzung der Charisi’schen Makamen ein so feinfühliges Verständniss für die Schönheit der orientalischen Poesie bekundet hat, nur völlig darin tibereinstimmen, dass das Hohe Lied ״nicht nur von einem und demselben Dichter herrührt, sondern auch eine strenge Einheit bildet“ (S. XHI) und unter dieser Voraussetzung nach der ganzen Anlage dieser Dichtung, in der ein lebhafter Scenenwechsel hervortritt, eine fortlaufende Reihe von verschiedenen Zwiegesprächen sich hinzieht, an die Personen, die in derselben redend auftreten, bestimmte Rollen vertheilt sind, und eine durchgehende Entwickelung sich zeigt, die am Ende ihre Lösung findet, darauf schliessen, dass sie als eine Art von Drama zu betrachten ist, es lässt sich aber bei dem Allem nicht absehen, wozu es eines solch künstlichen Apparates von hinzugedachten Situationsgemälden benötigt, wie ihn der Yerf. gleich mehreren anderen Vertretern dieser Anschauung herbeiholt, um den dramatischen Charakter des Hohen Liedes ins Licht zu stellen. ״Die Aufgabe des Erklärers ist es“, sagt der Verf. (S. XIII), ״aus dem Inhalte der Dichtung die Fäden hervorzuholen, die geeignet sind, das scheinbar Unzusammenhängende mit einander zu verbinden und zu einem zusammenhängenden Ganzen zu gestalten“. Seine Inhaltsdarstellung des Hohenliedes (XXH—XXX) macht jedoch den Eindruck, als ob er gerade nicht allzustrenge die Grenzen eingehalten hätte, die er mit diesem Aus- Spruche sich vorgezeichnet hat. Wer wird z. B. aus C. 1 V. 2 folgende Situation herauslesen. ״Bei einem Mahle, wo der König seine ganze Aufmerksamkeit der Sulamith zuwandte und sie mit Schmeicheleien überhäufte, fühlte diese darob sich so beengt, dass sie die Tafel verliess und sich in den Garten begab, wohin die ihr zugetheilten Palastfrauen folgten. Letztere wähnen der Jungfrau zu schmeicheln, wenn sie auf die bei der Tafel ihr zu Theil gewordenen Liebkosungen hinwiesen, was Sulamith aber zurückweisst mit dem Ausruf: ״Ja, wenn die Liebkosungen von ihm (dem Hirten) kämen“. Sie erblickt ihn aber dann an einem der Gartenfenster und eilt auf ihn zu mit den Worten: ״Ja deine Liebkosungen sind köstlicher als Wein!“? Das sind Luftschlösser, die bei dem ersten Anhauch von Kritik in Nichts zerfallen. Bei den Untersuchungen über den Bau und Charakter des hohen Liedes ist bisher überhaupt auf zwei Momente, die darüber einige Aufklärung gewähren können, viel zu wenig Gewicht gelegt worden. Herder hat es bereits herausgefühlt, das in c. 1, v. 2—5 eine andere Stimme sich vernehmen lässt, als die, die das. in v. 5—8 sehnsuchtsvoll nach dem Geliebten