Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 143)
- Language
- German
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138 In derartigen Einzelheiten Hesse sich das vorliegende Buch, an dem übrigens, wie schon das ausführliche Register zeigt, Reichhaltigkeit nicht der geringste Vorzug ist, noch vervollständigen, wozu vielleicht noch weitere Arbeiten des gelehrten Verfassers das Ihre beitragen werden, 4. Das Hohelied aus dem hebräischen Originaltext in’s Deutsche übertragen, wie auch sprachlich und sachlich erläutert und mit einer umfassenden Einleitung versehen von Dr. S. J. Kaempf, Professor an der k. k. Universität in Prag. Prag, Mercy, 1877. XLVI und 214 S. So unschwer es sonst sein mag, den Inhalt eines Buches, dessen genaue Kenntniss man besizt, in Treue und Klarheit wiederzugeben, so wenig Aussicht auf sicheres Gelingen scheint man mit einen solchen Versuche bei dem hohen Liede zu haben. Von den vielen Darstellungen, die sein Inhalt bereits gefunden hat, giebt es kaum zwei, die völlig mit einander übereinstimmen, und fast in allen werden uns Dinge vorgetragen, von denen wir im Buche selbst oft auch das Geringste nicht finden. Der Verfasser desselben hatte eben Leser im Auge, die nicht erst Schritt für Schritt an dem Gängelbande einer pedantischen Logik geführt werden müssten, um in das Verständniss dieser Dichtung einzudringen, er setzte vielmehr voraus, dass sie mit Leichtigkeit dem kühnen über Untergeordnetes rasch hinwegsezenden Fluge seiner Phantasie werden folgen können, und so blieb das Selbstverständliche, dessen breite Ausführung nur den lebendigen Schwung der Dar- Stellung unterbrochen und stellenweise eine Seichte und Mattigkeit hervorgebracht hätte, welche neben der glutvollen Poesie, die sonst das Buch durchweht, nicht an ihrem Orte wäre, gänzlich unberührt. Die Lückenhaftigkeit, die so scheinbar sich hier bemerklich macht, und der Mangel an Zusammenhang, der besonders in dem letzten Capitel mit einer nicht wegzuläugnenden Deutlichkeit hervortritt, war daher selbst für tiefer eingehende Forscher Grund genug, den Gedanken an die Einheit der in diesem Buche enthaltenen Dichtung aufzugeben und es als eine Sammlung von Liederperlen anzusehen, die hier wie an einer Schnur lose aneinander gereiht sind. In der That ist der Faden der Einheit, der die Dichtung zu einem wolvollendeten Ganzen machen soll, so dünn, dass er manchmal selbst dem Auge eines scharfsichtigen Beobachters leicht verloren geht; zuweilen wird er so verworren, dass man nicht weiss, nach welcher Richtung er sich hinleitet, und an manchen Stellen scheint es geradezu, als ob er ganz abgerissen wäre. Man darf sich aber dadurch ebensowenig dazu bestimmen lassen, den einheitlichen Charakter des hohen Liedes, für den sonst Alles spricht, aus den Augen zu lassen, als man sich davor hüten muss, diesen Faden, der das Ganze zusammenhält, mit einem Gespinnste von ersonnenen Zuthaten zu verweben, deren Herbeiziehung man für nothwendig hält, um