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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1877-01-01 · III. (1877) · page 140

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
III. (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 140)
Language
German
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135 unrichtige Angabe Steinscheiders (Catal. bibl. BodL Anon. Nr. 537), dass in der jüdisch-deutschen Schrift ״Wiener Geserah“ Metzeleien vom Jahre 1349 beschrieben werden, irreführen lassen. Dieselbe enthält eine Darstellung der Verfolgungen, welche in den Jahren 1420 und 1421 über die jüdischen Gemeinden im Erzherzogtume Oesterreich ergiengen, wie dies aus der jener Schrift entstammenden (s. Steinschneider 1. c. col. 1276) Relation in מעשה ד.׳ von Akiba Bär b. Josef N1\ 52 klar ersichtlich ist*). Damals geschah es unter Anderem, dass die in der Synagoge zu Wien gefangen gehaltenen Juden den Entschluss fassten, sich durch Selbstmord der Hand ihrer Peiniger zu entziehen. Das Los sollte bestimmen, wer sie alle und zulezt sich selbst tödten solle. Es fiel auf einem gewissen Jona Kohen, der dieser grausigen- Mission auch Folge leistete. Josef Kohen’s Angabe, dass die Juden in Wien und anderen Städten Oesterreichs von den Schlächtereien des Jahres 1349 verschont blieben (Wolf S. 12 Anm. 2), ist ziemlich sachgemäss. Auch nach dem Chron. Zwettlense (vgl. Wertheimer, die Juden in Oesterreich S. 153 Nr. 15) erstreckten sich die Judenverfolgungen im Erzherzogtume nur über Ober-Oesterreich (״in superioribus partibus“). Erzherzog Albrecht II erwies sich als Beschützer der Juden, indem er, wie in Sulamit a. a. 0. S. 228 angegeben wird, im J. 1347 (1349?) mehreren österreichischen Städten eine schwere Strafe auferlegte, weil sie dieselben vertrieben hatten. — Der Jude Steuzz, eigentlich David der Steuzz genannt, dessen Sohn von Herzog Albrecht H. ein Vorrecht erhielt (S. 16), ist aus mehreren Aktenstüken aus dieser Zeit bekannt (vgl. Wiener Regesten S. 230—1:36; Schlager Wiener Skizzen II S. 41; Fontes rerum Austriacarum tom. VIII p. 409); Jona Steuss wird in Beilage X und XIV des vorl. Werkes genannt. Betreffs der S. 17, 18 dargestellten Verfolgung in den Jahren 1420/21 ist es bemerkenswert, dass nach der obenbezeichneten jüd. Quellenschrift, die dieselbe recht ausführlich beschreibt, den Juden vorgeworfen wurde, sie hätten den ״Feinden des Herzogs‘4, d. i. den Hussiten, Waffen geliefert. Dieselbe giebt überhaupt über diese traurigen Vorgänge einen viel genaueren und umfassenderen Bericht als die anderen Quellen. — S. 40 Anm. 1 giebt der Verf. mehrere Daten über Veit Munk, den nachmaligen Rabbiner in Worms, über welche man Mehreres in seiner Monographie: ״Die Juden in *) Es wird nämlich im Laufe der Erzählung mitgetheilt, die italienischen Rabbinen hätten den Pabst zu bewegen gesucht, dass er bei dem Könige von Ungarn, dem Schwiegervater des Erzherzogs von Oesterreich, sich für die von diesem so schwer verfolgten Glaubensgenossen verwende, ohne dass sie Gehör gefunden. Erzherzog Albrecht V. (seit 1438 deutscher Kaiser) war der Eidam dos ungarischen Königs (und nachher auch deutschen Kaisers) Sigismund. Akiba Bär weist mit Recht darauf hin, dass von dieser Verfolgung auch in Terumat ha- Deschen Nr. 241 die Rede ist.

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