Mannheim
Compact Memory

Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1877-01-01 · III. (1877) · page 139

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
III. (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 139)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2418846-2418851--0614-2419503
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

134 sammensetzt. Mit besonderer Vorliebe scheint der Verfasser die neuere Periode derselben behandelt zu haben. Mit der Treue eines Chronisten verzeichnet er hier die einzelnen Vorgänge, die die Entwicklung des Gemeindelebens nach irgend einer Seite hin beeinflusst haben oder selbst als ein Product derselben zu betrachten sind, und bewahrt dabei eine Objectivität, die um so mehr anzuerkennen ist, als er durch seine persönliche Amts- Stellung zur Parteinahme in mancher hier besprochenen Angelegenheit Anlass hatte. Eine recht ansehnliche Bereicherung hat jedoch in diesem Buche auch die Kenntniss der älteren Geschichte erhalten, indem der Verfasser mehr als dreissig Aktenstücke aus dem 14. bis zum 18. Jahrhunderte, die er erst nach Veröffentlichung seiner früheren Monographieen über dieselbe entdeckt hat, hier wissenschaftlich verwertete. Freilich, erschöpfende Vollständigkeit, wie man sie von einer Specialgeschichte zu erwarten berechtigt ist, konnte hier nicht erzielt werden, da allerhand Notizen über Rabbinen und innere Verhältnisse der alten Gemeinde, die in dem jüdischen Schrifttume an zerstreuten, ja oft ganz entlegenen Stellen sich finden, unbeachtet blieben und überhaupt zumeist nur die Ergebnisse archivalischer Nachforschungen der Darstellung zu Grunde gelegt wurden, allein gerade der letztere Umstand ist es, der dem Buche einen besonderen Werth verleiht und uns in reichem Masze für den Ausfall maneher Angaben entschädigt, die hier am Platze gewesen wären. Zu Bemerkungen über das Dargebotene selbst haben wir nur hie und da Anlass gefunden. ״Gawertschin“ bedeutet nicht ursprünglich ״Heiden“, wie S. 2 Anm. 2. nach Lexer angegeben wird, .sondern ״Geldwechsler“ aus Cavore oder Cao rs a in Piemont wie dies Depping (die Juden im Mittelalter S. 171—176) gründlich nachgewiesen hat. Nach Muratori u. a. waren die ״Gawertschin“ (Caorcini) ursprünglich Kaufleute aus Cahors in Frankreich (vgl. Spiker, über die ehemalige und jetzige Lage der Juden in Deutschland, Beil. S. 39 ff.) — S. 5 Anm. 1 wäre zu bemerken gewesen, dass in Anatoli’s Malmed zwei religionsphilosophische Bemerkungen des Kaisers Friedrieh H. mitgetheilt werden (Ed. Lyck 53 b und 92 b). Die Euphemie מנוחתו כמד, die an ersterer Stelle Vorkommen soll (Zunz z. Gesch. u. Lit. S. 388 Anm. t) findet sich in dem gedruckten Texte nicht, vielmehr ist aus den Worten: ״und unser Herr der grosse König, Kaiser Friedrich, der lange leben möge“ an der zweiten Stelle darauf zu schliessen, dass der Malmed vor 1250 verfasst wurde (was auch durch andere Momente zu erweisen ist) und demnach jene Euphemie nicht authentisch sein kann. S. 12 wird erzählt, dass die Judenverfolgungen im J. 1349 sich auch auf Wien erstreckten, wo die ganze Gemeinde auf Anraten des Rabbiners R. Jona sich in der Synagoge entleibte. Dasselbe wird auch bei Grätz (Gesch. 7 S* 397) als ein historisches Factum hingestellt. Doch weder im Chronicon Zwettlense (Pez, Scriptores rer. Austr. I p. 541) noch bei Akiba Frankfurt (Landshut Amude H Anh. p. II und VI), auf welche in Anm. 2 das. verwiesen wird, wird etwas Derartiges berichtet. Grätz. hatl sich hier durch die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.