Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
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kundiger Rachsucht oder Bosheit eines Verbrechens beschuldigt, das er nicht begangen hatte, die Richter fanden die Aussagen der Zeugen glaubhaft und verurteilten den Beklagten. Als er aber zur Richtstätte hinausgeführt wurde, bekannten sieh die Zeugen selbst als Lügner, und dennoch konnte man diese Vorläumdung nicht bestrafen, da sie vor der Urteilsvollstreckung entdeckt wurde. Ein Unschuldiger musste sterben, damit auch wirkliche Verbrecher die verdiente Strafe erhalten. Nicht so, erzählt der Verfasser des Apokryphons, war es, als einst Susanna in ähnlicher Weise das Opfer einer Verläumdung werden sollte und Daniel intervenirte. Da traf die Schuldigen der Tod, ohne dass deshalb auch die Angeklagte, deren Makellosigkeit erwiesen war, ihn erleiden musste. Die pharisäische Straftheorie ist also die richtige. ln der Zeit, in der Simon b. Schetach’s Sohn das Opfer einer verkehrten Justiz geworden, waren jedenfalls noch die Sadducäer am Ruder. In einer jüngeren Relation 161) wird die Verläumdung, die ihn in den Tod getrieben, als ein Racheact wegen der Hinrichtung von achtzig Zauberinnen in Askalon, die auf Anordnung Simon b. Schetach’s erfolgt war, dargestellt, allein diese fand wahrscheinlich erst unter der Regierung der Königin Salome statt 162). Mehr Wahrscheinlichkeit hat die Annahme für sich, dass Simon b. Schetach während der blutigen Parteikämpfe zwischen den unterdrückten Pharisäern und den 161) Jizchaki zu Synh. 44 b. 162) In der Mischna (Synh. 6, 4) wird darüber so referirt, als ob über die Zauberinnen durch ein richterliches Urteil der Tod verhängt worden wäre. Nach dem sagenhaft ausgeschmückten Berichte in j. Synhedr. 6, (י, Chag. 2, 2, wurden sie jedoch von achtzig Jünglingen, die Simon b. Schetach’s Gefolge bildeten, auf hinterlistige Weise überfallen und erschlagen, und zwar, nachdem dieser die Würde eines Synhedrialpräsidenten erlangt hatte. Demnach gehört das Ereigniss, in die Regierungszeit Salomes. Nach einer ansprechenden Vermutung Duschak’s (a. a. 0. S. 44) war dies ein Racheact für die Hinrichtung der achthundert Pharisäer durch Alexander Jannai (Jos. ant. 13, 14, 2). Nach ibid. 16, 2 liessen sich die Pharisäer von der Königin Salome nach ihrer Thronbesteigung die Vollmacht ertheilen, alle, die an jenen Mordthaten Theil genommen, zu tödten. Da Simon b. Schetach auf die ״Zauberinnen“ mit achtzig schöngekleideten Jünglingen losgebt, deren Reizen sie nicht widerstehen können, so werden diese wol nicht gerade Hexen gewesen sein, sondern zu den Hetären gehört haben, die nach ant. 13 1. c. eich in Alexander Jannai’s Umgebung befinden.