Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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äusserte er sich folgendermassen: Ist diese Schuld an mir, dann mögen meine sonstigen Sünden nicht durch meinen Tod gesühnt werden, ist sie aber nicht an mir, dann bringe mir der Tod Verzeihung für meine Sünden; rein steht das Gericht, rein auch ganz Israel da, doch den Zeugen werde nie Verzeihung124). Simon b. Schetach hatte dämm allen Grund, auf eine Reform des bei den Zeugen in Anwendung stehenden Verhörsverfahrens zu dringen125) und wurde, wenn er, wie dies aus den Worten seines Sohnes hervorgeht, auch schon früher darauf hinarbeitete, dadurch, dass dieser das Opfer einer juridisch nicht anfechtbaren Verläumdung geworden, in jenem Streben bestärkt. In dieser Zeit, in der Simon b. Schetach eine Agitation zur Beseitigung jenes judiciellen Missbrauchs, der so manchem Unschuldigen das Leben gekostet, einleitete, lebte wahrscheinlich auch Ben-Sakkai, der Begründer eines strengeren Inquisitionsverfahrens, und als ein Product derselben ist wol auch das Buch Susanna anzusehen, in welchem Daniel, der Richter, der von demselben Gebrauch macht, einem Richtercollegium, das noch nach der alten Methode vorgeht, gegenübergestellt wird. Gehört nun, wie dies höchst wahrscheinlich ist, die Susanna-Schrift in die Zeit Simon b. Schetach’s, so kann sich ihre Tendenz nicht darauf Simon b. Schetach’s hervorgeht. Auch die Jesu zugeschriebenen Worte: ״Vater, verzeihe es ihnen, denn sie wissen nicht, was sie thun“ (Luc. 23, 34 in manchen Codices) gehören wahrscheinlich dem ofiiciellen Bekenntnisse an, das er auf die Aufforderung, seine Schuld zu gestehen, ablegte. Die Worte des Sohnes Simon b. Schetach’s sind als das Vorbild dieses Ausspruches anzusehen. 124) b. Synhedrin 44 b מעשה באדם אחד שיצא ליהרג אמר אס יש בי עון זה לא תהא מיתתי בפרה על בל עווגוחי ואם אין בי עוון זה תהא מיתתי בפרה לנל עזונותי ובית דין זבל ישראל מנוקים והעדים לא תהא להם מחילה עולם . Nach der Relation in Tosefta Synh. 9 und so auch nach j. Synh. 6 hat der Verurteilte nicht davon gesprochen, dass er den Zeugen keine Verzeihung gewähre, doch scheinen die Worte authentisch zu sein, da er an sich ein Exempel statuiren wollte und die Wiederaufnahme des Processes nur aus dem Grunde ablehnte, dass in Zukunft die Zeugen strenger inquirirt werden. Es ist also wol denkbar, dass er der Sache, die er durch seinen Tod fördern wollte, zu Liebe die falschen Zeugen ausdrücklich verdammt hat. Dass hier von Simon b. Schetach’s Sohn die Rede ist, unterliegt keinem Zweifel (vgl. Jizchaki z. St.) 125) Samuel b. Meir (zu Abot a. a. 0. in מדרש שמואל z. St.) meint, Simon b. Schetach’s Wahlspruch enthalte eine Anspielung auf dieses Factum. 4