Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
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besonders eine Frage vorgelegt, auf deren Beantwortung er sich früher nicht vorbereiten konnte108). Es soll nämlich jeder von ihnen, nachdem er zuvor durch strenge Rede eingeschüchtert worden100), darüber Auskunft geben, unter welchem Baume Susanna das Verbrechen, dessen sie beinzichtigt worden, begangen habe. Als darauf der eine erwidert ״unter einem Mastixbaume‘6 und der andere ״unter einer Steineiche“110), giebt Daniel einem jeden durch eine an die Namen dieser Bäume anklingende Paronomasie zu verstehen, dass Gott über ihn den Tod verhängt hat111). Die Zeugen haben sich nun Der Eleve, dem es gelang, durch seine Beweisführung für den Angeklagten ein freisprechendes Urteil zu erwirken, war dadurch für immer Mitglied des Synhedriums~’geworden. Die Angaben des Th.’schen Textes haben auch hier durchaus nichts Fabelhaftes an sich. Nach Syr. Ph. v. 50, 51, brachte man für Daniel einen Thronsessel aus dem Schatzhause, er sagte aber: Nicht sitzend, sondern auf meinen Füssen stehend will ich über Susanna richten. 108) S. 51 lässt Daniel zu der Versammlung sagen: Sieht nicht darauf, dass diese Gerichtsälteste sind und darum nicht lügen können, ich werde sie fragen über Dinge, die mir gerade jetzt aufstossen (uarä Ta v7t07tLittovrd 10t), also nach Zufälligkeiten, Nebenumständen, von denen, sie gar nicht denken, dass man bei Gerichte nach ihnen frägt. 109) Die harten Reden, mit denen Daniel die beiden Zeugen anfährt, indem er dem einen vorwirft, dass er als Richter Unschuldige verdammt und Verbrecher freigemacht habe (v. 52—54) und den anderen, dass er nur der Wollust gefröhnt habe, vertreten hier die strenge Admonition des rabbinischen Strafrechtes (M. Synh. 4, 4). 110) V. 54, 58. m) V. 55, 59. Luther giebt, indem er für den Mastixbaum die Linde einsetzt, die paronomastische Rede Daniels folgendermassen wieder : ״Under einer Linden — der Engel des Herrn wird dich finden — under einer Eichen — der Engel des Herrn wird dich Zeichen“. Plessner S. 42, 43 bequemt sich zu einer freieren Uebersetzung, um im Hebräischen wie im Deutschen ein ähnliches Wortspiel zu erzielen (vgl. auch die Nachbemerkung S. 45, die aber nur die verfehlten Versuche, den hebräischen Urtext dieser Worte herzustellen, uin einen vermehrt). Richtiger ist S. 34, der Hinweis auf Jer. 29, 22, wo .ס־ליד, — מלם — סללד dem Verfasser der Susanna-Geschiehte TT T T TT das Motiv gegeben haben soll, Daniel hier diese paronomasirende Redeweise in den Mund zu legen. Uebrigens ist auch dieser Zug der altjüdischen Strafprocedur entnommen, wenn er auch nicht am rechten Orte angebracht ist. Der zum Tode Verurteilte wurde nämlich vor der Hinrichtung ermahnt, ein Sündenbekenntniss abzulegen und.. dabei Josua’s Wort an Achan (Jos. 7, 25)