Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
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dem eingekerkerten Jojachin, wie gegenüber den losen Verführern, die mit aufdringlicher Keckheit ihr nahe treten66). Dennoch hat das Gemälde, das in der Susanna-Schrift vor uns entrollt wird, eine ganz andere Färbung und erblicken wir an ihm gar manchen Zug, den wir in den rabbinischen Darstellungen vermissen oder wenigstens nicht in derselben Weise angebracht finden. Ja, der Verfasser der Susanna- Schrift hat dem Stoffe, aus dem er seine Erzählung bervorgebildet, ein ihm von Hause aus ganz fremdes Element zugesellt, durch dessen Einmischung sie eine neue Physiognomie erhalten musste. Er begnügt sich nicht damit zu erzählen, dass die Betrüger durch die Dazwischenkunft eines rechtschaffenen Mannes als das hingestellt wurden, was sie in Wirklichkeit waren, er setzt auch Daniel, dem er diese Rolle zuweist, für einen Moment in das Richteramt ein und lässt ihn ein genaues Zeugenverhör anstellen, wie es nach der Mischna Ben-Sakkai einst vorgenommen hat. Daniel befragt jeden einzelnen der Ankläger, unter welchem Baume sie Susanna mit dem Jünglinge gesehen hätten. Natürlieh muss dann Susanna sich einmal in einem Garten, und zwar, wie es hier heisst, in dem ihres Mannes befunden haben. Der Bau und Zuschnitt der ganzen Erzählung konnte nun nicht mehr derselbe bleiben, sie musste völlig überarbeitet werden. Von dem Umbildungsprocesse, durch den die in griechischer Sprache auf uns gekommene Susanna-Geschichte hindurchgegangen ist, haben sich auch noch ganz beträchtliche Spuren erhalten. Wir besitzen von derselben nämlich zunächst zwei Versionen, die mehr noch als im Sprachausdrucke in ihrem realem Inhalte von einander abweichen, eine, die der Septuagintalbibel angehört und, ohwol sie die ältere ist, doch erst vor etwas über 100 Jahren entdeckt und an’s Licht gezogen wurde 67) und eine andere, die von Theodotion stammt, schon frühzeitig 66) Dass die rabbinischen Berichte über das Verführerpaar wie über die Frau des Jojachin Einem Boden entwachsen sind und ursprünglich zusammengehören, geht daraus hervor, dass in beiden die sonst fast gar nicht gekannte Seiniramis in den Gang der Handlung eingreift. 67) Sie bildet da das 13. Capitel des Buches Daniel, dessen griechische Uebersetzung nach den 70 (die in den Ausgaben der LXX. befindliche Ueber- Setzung dieses Buches gehört Theodotion an) im J. 1772 von Simon de Magistris aus einem Chisianischen Codex edirt wurde. (Näheres über selbe