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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1877-01-01 · III. (1877) · page 30

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
III. (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 30)
Language
German
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des Inculpaten ermittelt wurde. Wir hätten hier also beiläufig denselben Fall vor uns wie in dem Susanna-Buche. Zwei Männer geben vor Gericht Zeugniss ab, dass in einem Garten eine verbrecherische That verübt worden ist, sie werden aufgefordert den Baum zu bezeichnen, unter welchem dies geschehen, geraten aber hei dieser Angabe in Widerspruch zu einander, so dass ihre Aussage sich als falsch herausstellt und von dem Beschuldigten der Verdacht genommen ist. Man kann somit mit Recht annehmen, dass das, was in der Mischna und im Susanna-Buche berichtet wird, eigentlich ein und dasselbe ist, und dass der Verfasser des letzteren auch hier nur einem schon vorgefundenen Stoffe eine andere Gestalt verliehen hat. lieber den Ursprung der Susanna-Erzählung wären wir nun so ziemlich im Klaren. Eine alte aus Babylonien stammende Volkssage, in die ein schon etwas verwitterter historischer Kern eingesponnen ist, hat die Fäden zu dem Zettel, eine Nachricht von einem merkwürdigen Zeugenverhöre, durch welches die Unschuld eines falsch Verdächtigten sich ergab, die zu dem Einschläge des Gewebes geliefert, welches hier vor uns ausgebreitet liegt. Hätte nun der Verfasser der Susanna-Schrift nur eine alte Tradition durch Niederschrift der Vergessenheit entziehen wollen, hätte er nichts weiter beabsichtigt, als der Nachwelt eine treue Copie jenes sagenhaft ausgemalten Geschichtsbildes zu hinterlassen, dann müsste zwischen seinen und den talmudisch-midraschischen Berichten im Wesentlichen Uebereinstimmung herrschen. Aber schon ein flüchtiger Einblick in die Susanna-Schrift lehrt uns, dass hier die alten Traditionen, die durch sie wiedergegeben werden sollen, nicht nur in anderer Form, sondern auch mit vielfach geändertem Inhalte vorgetragen werden. Freilich kann man es nicht verkennen, dass der Gang der Handlung hier und dort ein gleicher ist. Achab und Zidkia machen an Susanna — welche in der rabbinischen Tradition durch Semiramis vertreten ist — einen Verführungsversuch, der zur Entdeckung ihrer verbrecherischen Umtriebe führt und mit ihrer Hinrichtung endet. Auch die Charakterzeichnung ist dieselbe. Achab und Zidkia mögen da Propheten, dort Richter und anderswo wieder Aerzte sein, sie erscheinen überall als dieselben Schelme, die die Frauen um ihre Ehre zu betrügen suchen. Ebenso ist Susanna, deren edle Sittsamkeit sich über diesem Schattenbilde der babylonischen Exilsperiode lichtvoll abhebt, dieselbe in ihrem Verhalten gegenüber

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