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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1877-01-01 · III. (1877) · page 28

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
III. (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 28)
Language
German
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feindseliges Verhältnis gerieten, einmal von einem seiner Parteigänger, vielleicht einem der jungen judäischen Prinzen, die am babylonischen Hofe erzogen wurden und einen gewissen Einfluss auf Nebucadnezar hatten, bei ihm so schwarz angemalt wurden, dass es um sie geschehen war. Allein da wir den wahren Sachverhalt nur durch das Prisma einer vielgestaltigen Sage betrachten können, so ist es uns nur gestattet, hier im Allgemeinen die Intervention einer Persönlichkeit anzunehmen, welche es verstanden hat, die beiden Lügenpropheten, die einen gewissen Terrorismus auf die Gemüter auszuüben wussten, aus dem Wege zu räumen. Jn den talmudisch-midraschischen Berichten heisst diese Persönlichkeit Josua b. Jozadak, in der Susanna-Schrift Daniel. Daniel tritt aus einem Grunde, den wir später noch kennen lernen werden, hier als Untersuchungsrichter auf. Er fragt die beiden Aeltesten, die Susanna des verbrecherischen Umgangs mit einem Jünglinge an״ klagen, unter welchem Baume des Gartens das Delict, dessen Augen״ zeugen sie gewesen sein wollen, verübt worden sei. Sie widersprechen einander und sind dadurch gerichtet• Von einem solchen Vorgänge melden die talmudisch-midraschischen Berichte, die wir über Susanna wie über die beiden Aeltesten besitzen, nichts, dieser Zug ist der Volkssage fremd und kann daher nicht dem ursprünglichen Inhalte der Susanna-Erzählung angehören. Dennoch ist er aber kein Phantasiegebilde, dem die reale Grundlage fehlt. Zwei Gelehrte, deren Urteil schwer in die Wagschale fällt, haben, ohne dass der eine von der gleichen Ansicht des anderen Kenntniss hatte59), auf eine Notiz in der Mischna hingewiesen, welche von einem ähnlichen Zeugenverhöre, wie es in der Susanna-Schrift Daniel zugeschrieben wird, Nachricht giebt. ״Einst ereignete es sich״, wird nämlich daselbst60) erzählt, ״dass Ben-Sakkai beim Zeugenverhöre^ nach der Form der Stiele an den Feigenfrüchten 59) Die nur flüchtig hingworfene Andeutung FrankePs (d. gerichtl. Beweis a. a. 0.), die er selbst erst im Jahre 1868 (Monatsschrift a. a. 0.) mit grösserer Klarheit darzulegen versuchte, konnte, da sie in dem ziemlich umfangreichen Buche nur ein schmales verborgenes Plätzchen einnimmt, Geiger, der mit gewohntem Scharfsinn die Gleichartigkeit beider Berichte nachweist (Urschrift a. a. 0.), leicht entgehen. Die unabsichtlich herbeigeführte Ueber- Stimmung beider Gelehrten in diesem Punkte hat einige Beweiskraft für die Richtigkeit der von ihnen zuerst ausgesprochenen Ansicht. 60) Synhedrin 5, 2.

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