Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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15 Lügenprophetu ein unauslöschliches Schanddenkmal gesetzt hat36), sich bei den Frauen dadurch, dass sie ihnen die Mutterschaft des Messias in Aussicht stellten, Eingang verschafft37). Solches Gerede konnte aber nur bei Judäerinnen verfangen; für die babylonischen Frauen lag doch gewiss nichts Verlockendes darin, dass einst einer ihrer Sprösslinge der Erlöser der im Exile lebenden Juden sein werde. Man nahm also wiederum die Scheere zur Hand und setzte für den Messias einen Propheten ein. Einen weisen und erleuchteten Mann zum Sohne zu haben, das lässt sich auch bei Ghaldäerinnen hören und niemand merkt die Verwechslung. Wenn wir nun den hagadischen Bericht in seiner Urgestalt betrachten, so erkennen wir schon mit Leichtigkeit die Contouren des einen Sittengemäldes, das in der Susanna-Schrift uns vor Augen gestellt wird. Zwei Männer, Frauenschänder im Mantel der Heiligkeit, verstehen es durch plausible Gründe und fromme Vorspiegelungen ehrbare jüdische Ehefrauen zu verführen, nahen sich aber einmal einer durch ihre Schönheit gekannten hochgestellten Dame, die derartigen Anträgen kein Gehör giebt, und verfallen dadurch, dass ihr böses Treiben da enthüllt wird, einem unbarmherzigen Strafgerichte. Die llagada hat aber, wie nun weiter gezeigt werden soll, auch noch einen Rest von den Farben aufbewahrt, die der Verfasser jener apokryphisehen Erzählung bei der Zeichnung seiner Susanna verwendet hat. Wir wissen durch die Tradition, deren ursprünglicher Inhalt nunmehr dargelegt ist, dass die beiden Verführer mit der Zusicherung, dass von ihnen der Messias herstammen müsse, am meisten Effect machten. Einen Erfolg konnten sie sich von solchen Vorspiegelungen gewiss nur in einer Zeit versprechen, in der kein Sprössling des David’schen Hauses lebte, denn sonst wäre ja dieser oder einer seiner Nachkommen als der Zukunftskönig betrachtet worden. An einem solchen schien es aber in den ersten Jahren nach der Auflösung des Reiches Juda wirklich gefehlt zu haben. Die Söhne Zidkias, des letzten Königs, waren bei Ribla hingerichtet worden und er selbst brachte seitdem bis zu seinem Tode38) 36) Besonders beweist c. 42, dass Alexander von AbonoteiduTs und so auch gewiss sein Geselle Cocconas Geistesverwandte Achab’s und Zidkia’s waren. 37) Siehe S. 8. 38) Jeremia 52, 11.