Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- III. (1877)
- Date
- 1877-01-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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13 erkennen lässt, einen noch tiefer gehenden Umbildungsprocess durchgemacht. Wie in! Buche Jeremia ,wird hier nur davon gesprochen, dass Achab und Zidkia mit jüdischen Frauen unerlaubten Umgang gepflegt haben29), bis sie schliesslich an die Frau Nebucadnezar’s herankamen und so in ihr eigenes Verderben hineinrannten. Unwillkürlich drängt sich hier die Verwunderung darüber auf, dass sie, die die Frauen ihrer Stammesgenossen verführen, nachher an die Königin des Landes sich heranwagen können, in welchem sie als Gefangene leben. Es klingt überhaupt höchst sonderbar, dass babylonische Frauen durch die Verheissung, ihre Sprösslinge werden israelitische Propheten werden30), sich überreden lassen, und dass sogar die Königin für solche Einflüsterungen nicht ganz unzugänglich ist. Da mussten ja die Juden in dem Lande ihres Exils goldene Tage gehabt haben, wenn die babylonischen Frauen das Glück, einen jüdischen Propheten zum Sohne zu haben, so hoch anschlugen, dass sie deshalb selbst den Ehebruch nicht scheuten I Ganz unbegreiflich ist es, dass in den hagadischen Berichten im offenen Widerspruche mit den unzweideutigen Worten der Bibel (Jerem. 29, 23) behauptet werden kann, Achab und Zidkia hätten nur an babylonischen Frauen ihre Verführungskünste versucht. Man müsste gradezu glauben, die jüdischen Traditionarier hätten durch eine solche Entstellung der Thatsachen die Handlungsweise der berüchtigten Lügenpropheten in einem milderen Lichte darstellen wollen, wie ja auch nach Origenes die Susanna-Schrift von den Lehrern der Synagoge dem Volksgebrauche entzogen wurde, weil es ihnen nicht rätlieh erschien, dass zwei Richter aus älterer Zeit in schmachwürdiger Gestalt hingestellt werden31). Das ist aber schon darum nicht anzunehmen, weil das Treiben der A eitesten dadurch nicht weniger sündhaft erschien und auf Achab und Zidkia dieselbe Schmach lastet, ob sie ihre verbrecherischen Umtriebe in jüdischen oder in babylonischen Kreisen in’s Werk gesetzt haben. ln der That war jedoch ein anderer und zwar ganz triftiger, ja fast zwingender Grund für die Umänderung dieser Tradition vorhanden. Man durfte nämlich, sollten nicht recht gewichtige Bedenken über die 29) אחאב בן קוליה וצדקיה בן מעשיה נביאי שקד היו והיו מ נ אפ ין נשי רעיהן הה״ד יען אשר עשו וגז׳ (ירמיה ב־׳ט פ׳ג) ומה הוון עבדין חד מנהין אזיל לגבי איתתא ואמר לה חמית דייתי חברי לגבך ואת מקיימת נביא בישראל וכוי. 30) Man beachte den Ausdruck נביא בישראל in dem Referate der Pesikta. s1) Epistola ad Africanum c. 9.