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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1877-01-01 · III. (1877) · page 8

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
III. (1877)
Date
1877-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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IRI
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sie wieder in das verdiente Ansehen eingesetzt wird. Hier ist's eine würdige Frau aus angesehenem Hause, die ein Opfer ihrer Schönheit und Tugend wird, die durch das verlüumderische Wort von Verbrechern, welche das Gewand der Rechtschaffenheit tragen, einem schmachvollen Tode preisgegeben werden soll, aber in allen den schweren Prüfungen, durch die sie hindurchgeht, standhaft bleibt, bis die Unschuld in Triumpf erhoben wird und das Verderben auf das Haupt seiner Urheber zurückfällt. Diese an beiden Büchern wahrgenommene Aehnliehkeit erlaubt aber dennoch keinen Rückschluss auf die Beurteilung ihres Characters wie ihrer Tendenz. Denn währenddem im Buche Hiob die Erzählung blos die Schale ist, in der die köstliche Frucht der Lehre dem Leser dargereicht wird, und selbst die Personen, denen da eine Rolle zugetheilt ist, nur Namen sind, welche redende Menschen vorstellen sollen, ist in der Susanua-Schrift die Handlung die Hauptsache, das Ganze und Einzige, was dem Leser geboten wird. Offenbar sollen hier die Träger der Handlung durch ihr Thun belehren und in sich gewisse Charactertypen verbildlichen, in denen Gegensäze der Menschennatur sich abspiegeln. Es ist aber auf den ersten Blick gar nicht leicht zu erkennen, welche von den Personen, die in der Susanna-Erzählung hervortreten, die Tendenz des Verfassers zunächst zum Ausdruck bringen soll und ihm das eigentliche Motiv zu dem in ihr dargebtellten Sittenbilde gegeben hat. ln allen kennzeichnet sich in scharfer Ausprägung eine Art menschlicher Gesinnung und Willensrichtung, allen hat, was bei der Entscheidung hierüber auch in Anschlag kommen muss, das Buch etwas zu verdanken, Susanna, der lieblichen Frauensgestalt, die hier gezeichnet wird, den Namen, Daniel, dem Jünglinge, der hier die ersten Proben seiner später so vielbewunderten Weisheit ablegt, die Aufnahme in den Apokryphencodex, und endlich den beiden Ungenannten, deren arglistiges Treiben den ganzen Vorgang heraufbeschworen, den eigentlichen Stoff der Erzählung. Hat der Verfasser die Geschichte, die er hier vorträgt, aus seiner Phantasie ersonnen oder hat er mit seinem Buche irgend eine im Munde des Volkes lebende Sage durch Aufzeichnung zu erhalten gesucht? Hat er die Keuschheit Susanna’s oder die Bosheit ihrer Ankläger oder die Weisheit DanieFs schildern wollen oder wollte er aus allen dreien ein wolgefügtes Ensemble!!erstellen? i

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