Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 135)
- Language
- German
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129 zweite Theil derselben, in welchem die gedankenlose und Wissensfeindliche Frömmigkeit als thöricht bezeichnet wird, mit bewusster Absichtlichkeit ausgelassen worden (לא ע״ה חסיד drückt übrigens denselben Gedanken aus), allein es werden von Autoren des Mittelalters auch Säze aus diesem Traelate mitgetheilt, welche wir in dem vorhandenen Texte durchwegs vermissen. Es möge als Beispiel hier der von R. Jona (Schaare Teschuba II, 17) citirte Ausspruch angeführt werden: וארז״ל במשנת דרך ארץ רצונך שלא תמות מות עד שלא תמות («Ist es dein Wille, nicht zu sterben, so stirb d. h. entsage Dir den Genuss des Lebens, ehe Du mit Tode abgehst“). Verwandt mit dieser Lehre, deren Pointe in der paradox klingenden Fassung ihres Inhalts liegt, ist die Antwort, welche Alexander von den Weisen des Südens erhielt (Tamid 32a) מה יעבד אינש ויחיה? אמרו ליה ימית את ״ .עצמו. מה יעביד אינש וימות? יחיה את עצמוA. fragte: Was solider Mensch thun, damit er lebe? (Antwort): Sich tödten (d. h. sich im Genüsse des Lebens beschränken). (Frage): Was soll der Mensch thun, damit er sterbe? (Antwort): Sich zum Leben bringen (d. h. sich dem Irdischen völlig hingeben).‘4 Die Ethiker der jüdisch-arabisehen Schule haben änliche Aussprüche. In der Perlen-Auswahl (Pforte 44) lesen wir: ואמר (החכם) מותו ברצון תחיו בטבע ואמר...ומי שממית עצמו מיתת רצון תהיה מיתתו הטבעית חיים לו ואמר מי שאוהב ״) נפשו ימיתנהEin Weiser sagte: Sterbet freiwillig und ihr lebet natürlich. Weiter sagte er: Wer sich freiwillig dem Lebensgenüsse entzieht, dem wird der natürliche Tod Leben sein. Weiter sagte er: Wer sein Leben liebt, der sterbe44). Algazali (Mosne Zedek ed. Goldenthal S. 219) lehrt in änlichem Sinne: Der Tod ist eine zweite Geburt (והמות והוא לידה שנית). Parallelen des Gedankens liessen sich noch in reicher Menge beibringen. Dass er auch in dem Tractate Derech Erez enthalten war und nirgends in derselben Form ausgedrückt ist, in der er uns hier entgegentritt, ist dasjenige, was wir zur iiterarisehen Kenntniss desselben hier constatiren. Ein weites Feld für die Literaturgeschichte der Hagada bieten die zalreichen in Werken des Mittelalters zerstreuten Midrasch - Citate, deren Ursprung nicht klar ist. Freilich wurde Manches dem ״Midrasch44 zugeeignet, was sicherlich späteren Auslegern angehört. So weiss Isak b. Elieser von der Auslegung eines Midrasch zu Jes. 58, 2, in welcher die Eintheilung der Stunde in 1080 Theiie erwähnt wird (הגן c. 5 9