Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 108)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2418846-2418849--0361-2419249- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
102 des Cbronikon wiedergegeben wird, nicht auf besondere Beachtung Anspruch machen. Die Erzälung von Mar'-Sutra’s posthumer Geburt und der Art seiner Einsezung in das Exilarchat ist also entschieden unhistorisch. Es wird, was den ersteren Punkt betrifft, hier sicherlich Mar-Sutra der Vater mit Mar-Sutra dem Sohne verwechselt; dieser ist wol erst nach der Hinrichtung des ersteren zur Welt gekommen und später, da an eine Restauration des Exilarchates in Babylonien nicht zu denken war, nach Palästina gebracht worden. Ungeschichtlich ist auch der Bericht von dem Aussterben des Exilarchenhauses mit Huna IV., denn das kl. Chronikon berichtet selbst, dass der Perserkönig alle Bewohner der Stadt, in welcher Mar- Sutra residirt hatte, — wahrscheinlich Sora — zu Gefangenen gemacht habe (ופקיד מלכא ושבייה מחא דריש גי^ותא) und nach dessen Hinrichtung die ganze angeblich davidische Familie in die Flucht gegangen sei (וערקו דבית דוד). Es muss also eine solche vorhanden gewesen sein. Ja es weiss sogar Namen von Mitgliedern derselben anzugeben, die nachher die in ihrem Hause übererbte Würde wieder bekleideten. Es kann also wie vor der Geburt auch nach dem Tode Mar-Sutra’s von einem Untergänge des Exilarchenhauses nicht die Rede sein. Wenn nun diese Thatsachen an sich auch unrichtig sind, so sind sie doch nicht erfunden. Der Verfasser des kl. Chronikon hat sich hier nur eine zum Theile nicht unabsichtliche Verwechslung der Personen zu Schulden kommen lassen und hat, was an Geschichte und Sage über die Exilarchen der nachamoräischen Zeit ihm bekannt war, in einen Haufen geworfen. Bleiben wir bei dem ersten Factum, dem angeblichen Untergange des Exilarchenhauses (ובגויה כלון דבית דוד) stehen. Die angeblich davidische Familie ist wirklich einmal so viel wie erloschen, aber nicht nach dem Tode Huna’s — zu dieser Zeit waren nur die Saboräer rasch hinter einander gestorben, was vielleicht dem Verfasser des kleinen Chronikon hier vorgeschwebt hat — sondern 83 Jahre später. Wie Mar-Sutra 508 gegen Kobad und die Mazdakija’s, so hatten die Juden 589 gegen Hormisdas IV. für dessen Gegner Bahram Tschubin Partei genommen (Grätz 5, S. 428). Machuza war damals für sie ebenso wie einst für Mar-Sutra eine Unglücksstätte geworden, indem der Feldherr Chosroes II., des Nachfolgers Hormisdas nach der Einname dieser Stadt viele Juden daselbst hinrichten liess.