Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 86)
- Language
- German
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wie auch andere Erklärungen, mit welchen sie den Talmudtext ausstatteten, wurden jedoch nur mit Vorsicht aufgenommen, da die Tarhizai noch vollauf damit zu thun hatten, sich die nötige Kenntniss zu erwerben und daher in den Inhalt der Diseussionen sich nicht hinlänglich zu vertiefen vermochten.130) Gar manche Partie des Talmuds hat dadurch, dass diese unreifen Zöglinge des Lehrhauses den Text nach ihrer irrigen und subjectiven Auffassung modificirten, ihre Klarheit und Verständlichkeit verloren.131) Die Tarbiza war eine Uebungsschule für die Interpretation der Halacha und muss als solche schon in der Amoräerperiode bestanden haben. Sie lieferte wahrscheinlich viele der Diseussionen und Verhandlungen, weiche im Talmud ohne Angabe einer bestimmten Autorschaft derselben mitgetheilt werden. Namentlich werden ihr alle die Stücke zugeschrieben, in denen dargetlian wird, wie, wenn in einem Gesezesausspruche mehrere Fälle als Beispiele für die Anwendung derselben angeführt werden, jeder seine besondere Beziehung hat, so dass auf sie alle zur Vermeidung von etwaigen Missverständnissen hingewiesen werden musste (Zerichuta).132) mani (Bechor. III Ende) nemen auf sie Rücksicht. In R. Tarn Talmudcodex (Ordnung Kodoschim) waren selbst die Worte והלכתא כחכמים als feierhaft signirt ובסדר קדשים של ר״ת עיינתי וראיתי שכתוב כן הילבתא כחכמים ועש ח לו קרניים ילשבשו שלא לפסוק כחכמים ופירושו אין בידי (Responsum Isak b. SamuePs in Resp. Meir b. Baruch, ed. Prag No. 14, vgl. Or Sarua I, 904, wo לשבשו für לשמשו und ופירושו für ופירושים zu lesen ist). 130) Der Gaon Hai macht (Resp. ed. Cassel No. 78) darauf aufmerksam, dass man, wo eine anonyme Bemerkung im Talmud nur von zweifelhafter Richtigkeit zu sein scheint, untersuchen müsse, ob sie nicht durch einen Schreibfeier verunstaltet ist, oder als eine leicht hingeworfene tarbizäische Glosse sich darstellt) שאתר, צריך לעיין בכל דבר שיסתפק לך כיצד עיקרו אם טעות סופר ד״וא או שיטפא דתלמידאי תרביצאי) und theilt dann mit, dass viele der lezteren Irrtümliches enthalten (כדרך טעיות ר.רבד. שמצויין בשיטפי דתרביצאי) Dies gilt wie von ihren eigenen Zusäzen auch von den Lesearten, welche sie leichtfertiger Weise in den Text hineintrugen. Der Ausdruck שיטפא bedeutet ״Uebereilung“, ״Fehlgriff“, (vgl. Ar. sv. 2 שטף). 131) Die Erörterung über die Kennzeichen der zum Genüsse verbotenen Vogelarten (Ckul. 62 b) ist eine jener Partieen, die unter dem Griffel der Tarbizai gelitten hat (vgl. über dieselbe besonders Ittur II, 18 b, 19 a, wo darauf deutlich hingewiesen wird ודכי תיא תגירסא ומאי דכ׳ בספרים לישנא דתרביצא נינתו. 182) Sinison v. Chinon a. a. 0. vgl. Algasi zu תליכות עולם, ed. Venedig 7 b,