Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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67 material zusammengefasst. Die Merkworle und Memorialsäze waren die Klammern, durch welche die verschiedenen Gruppen des talmudisehen Wissenstoffes an einander gefügt wurden. Allein bei dieser grossartigen compilatorischen Arbeit, die an einem oft verworrenen und durch einander geworfenen Material durchzuführen war, musste mit der Sammlung die Sichtung und rechte Vertheilung desselben sich verbinden. Die Saboräer richteten sich dabei nach der in der Mischna gegebenen Reihenfolge der Halacha’s. Diese war bereits vom Patriarchen R. Juda in Ordnungen, Tractate und Abschnitte eingetheilt. Die Saboräer sezten die Eintheilung fort, indem sie die Abschnitte in einzelne Absäze zerfallen liessen, denen die zu ihnen gehörende gemaristische Erläuterung folgte; im Texte desselben waren dann die einzelnen Stücke der Mischna, auf welche eine solche sich bezog, vermerkt.106) War eine Boraita oder eine Lehrmeinung eines Amora selbst Ausgangspunkt und Gegenstand einer Discussion gewesen, so wurde diese dort eingefügt, wo jene früher bei der Besprechung des in der 34 b) erwähnt. Gerschom b. Jehuda machte aus seinem Namen ein solches (Or Sarua II, 92.) 106) In Sed. Tan. ed. Luzz. p. 138 wird über die Thätigkeit der Saboräer bei dem Abschlüsse des Talmuds berichtet: לא הוסיפו ולא הפליגו מדעתם אלא תקנו ״) פרקי בל תנויי בסדרןsie haben nichts hinzugefügt und nichts durch eigene Erkenntniss erweitert, sondern nur die gemaristischen Erläuterungen zu den Mischna’s nach der Reihenfolge derselben in Ordnung gebracht“). Mit פירקא wird hier wie in Berach. 6 a der fortlaufende Lehrvortrag bezeichnet. Die Mischna selbst lag ihnen, wie die im Talmud häufig vorkommenden Ausdrücke רישא und סיפא beweisen, sogar schon in ihrer Eintheilung in einzelne Absäze vor, doch waren diese ursprünglich nicht von einander getrennt. Sowol im palästinischen als auch im bab. Talmud wurde die Mischna dann, je nachdem der Umfang der gemaristischen Erläuterungen es erforderte, in einzelne Partieen zerlegt. Die in beiden Talmuden verschiedene Eintheilung der Mischna kann daher für die Beurteüung der ursprünglichen Anordnung nicht als massgebend erachtet werden. Der Complex der Mischna wurde nur getheilt, wo zu den einzelnen Halacha’s weitläufige Erörterungen vorhanden waren, so dass jede als ein besonderes Thema erscheinen musste, sonst blieb derselbe ungetrennt. So bilden Berachot III, 6, 7, 8, IV, 1, 2, 3 nur einen Paragraphen, während sie im p. Talmud schon zerlegt sind. In b. Berachot 20 a war נשים ועבדים ובו׳ ursprünglich nur eine Anzeichnung aus der Mischna. Wie bei dieser waren in den ältesten Texten wol bei allen das betreffende Mischnastück vollständig wiedergegeben und sind erst später die Anfangspassus mit einem angehängten ״u. s. w.ובולי) ״) dafür eingetreten. 5*