Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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lichkeit gelangt und in der Art, wie sie sich gestaltet hat. Wir wissen bereits, dass die Saboräer durch die Verfolgungen, denen am Ausgange des 5. Jahrhunderts die Juden im persischen Reiche ausgesezt gewesen, sich veranlasst sahen, den bereits geordneten und gesammelten Lehrstoff in schriftliche Fassung zu bringen, und es ist nun noch darüber Klarheit zu verschaffen, auf welche Weise sie dieses in seiner Art einzig dastehende Werk zu Stande gebracht haben. Man hat an der Möglichkeit, dass die Massen von Wissensstoff, die in dem baby- Ionischen Talmud aufgehäuft liegen, früher nur in dem Gedächtnisse von Lehrern und Schülern Raum gefunden haben, gezweifelt, und die Methode mündlicher Ueberlieferung, die allein zu deren Forterhaltung in Anwendung gekommen sein soll, in das Reich der Fabel verwiesen.84) Demnach wäre der Talmud allmälig durch Aufzeichnung der verschiedenen Controversen und Verhandlungen im Lehrhause entstanden und hätten die Saboräer nur das schriftliche Material gesammelt und geordnet. Es ist aber durch bestimmte glaubwürdige Angaben bezeugt, dass das Verbot, die Halacha’s nur mündlich vorzutragen, mit voller Treue befolgt wurde 85) und demnach die Lösung der Frage, auf welche Weise die so umfangreiche Ueberlieferung im Gedächtniss behalten und wie sie danach in solcher Vollständigkeit, wie man sie anstrebte, niedergeschrieben wurde, auf anderem Wege zu suchen. Die Männer, welche den babylonischen Talmud zum Schriftwerke gestalteten, haben über ihre Thätigkeit nichts in der 0Öffentlichkeit verlauten lassen. Den späteren Zeitaltern war es nur um die Kenntniss seines Inhalts zu thun, der, ob er älteren oder jüngeren Ursprungs sein mochte, gleiche Autorität für sie hatte. Es ist weder eine geschiehtliehe, noch eine sagenhafte Notiz vorhanden, welche von diesem grössten literarischen Ereignisse, das sich im nacbbiblischen Judentume vollzogen hat, irgend welche Kunde geben könnte. Indessen haben wir im Talmud selbst noch Spuren, welche uns auf die Entdeckung der dabei angewandten Methode führen. Es sind dies die in allen Tractaten zerstreut vorkommenden Mnemonica (Simanim), welche zugleich 84) Lebreckt, Kritische Lese verbesserserter Lesearten im Talmud S. 12—17. 85) S. Anhang V.