Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 57)
- Language
- German
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51 Letirhäusern vertriebenen Wissenschaft ein dauerndes Asyl und eine feste Heimat geschaffen wurde, hatte troz der Erleichterung, die dadurch für das Gesezesstudium geschaffen war, die Pflege desselben eher vermindert, als gefördert. So lange die Lehre nur durch den öffentlichen Vortrag, durch die mündliche Ueberlieferung forterhalten wurde und die persönliche selbstthätige Theilnahme dazu erforderlich war, den unverkürzten Bestand und die getreue Kenntniss derselben zu sichern, fülte das Volk zu den Lehrhäusern sich hingezogen. Der niedergeschriebene Talmud schwächte diese Theilname, die nun, nachdem für die Verwahrung des Lehrgutes durch ihn hinlänglich gesorgt war, entbehrlich schien, bedeutend ab. Manche mochten sich mit der völlig veränderten Methode des Gesezesstudiums überhaupt nicht befreunden und erblickten in der Verschriftung der Tradition eine Neuerung, der gegenüber sie an der altererbten Gewohnheit, den Lehrstoff zu memoriren, festhielten 74). Die innere Ermattung wäre aber durchaus nicht zu einem so kläglichen Siech turne, wie es um die Mitte des 6. Jahrhunderts in dem babylonisch-jüdischen Geistesleben sich zeigt, herabgesunken, wenn nicht die unter der despotischen Herrschalt Hormuz’ IV. immer zunemende Zerrüttung des persischen Staatswesens auch in den Kreis der Judenheit eingedrungen wäre. Die Einwohner Persiens waren der Willkür von Statthaltern und sonstigen Beamten, denen jede Gewaltthätigkeit erlaubt war, preisgegeben. Die inneren Aufstände wurden dadurch permanent und verwandelten, da auch von allen Seiten feindliche Angriffe den morschen persischen 74) In Jahrbb. I, S. 155 Anm. 28 ist die Beweisstelle aus ם׳ העתים bereits angeführt worden. Der Exilarch Natronai b. Chaninai (oder Chabibai s. Grätz 5, S. 466) schrieb für die Juden Spaniens den Talmud aus eigenem Gedächtnisse nieder, ohne eine schriftliche Vorlage zur Hand zu haben. Dieses Talmudexemplar ist wol das erste, das nach Europa gekommen ist. Aus einer gaonäischen Notiz (Or Sarua I, Alphabeta No. 49) geht hervor, dass man mit der Niederschreibung talmudischer Partieen erst im Geheimen den Anfang machte, was wahrscheinlich schon zur Zeit Rabina’s II geschah. Auch B. Nissim (Mafteach3b) empfielt die mündliche Wiederholung (ועם כל זאת ולואי שגגרוס אוחו), 4*