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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1876-01-01 · II. (1876) · page 27

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
II. (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 27)
Language
German
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einer Lehre auf, deren praktische Durchiiirung den Umsturz aller Rechtsordnung und aller religiösen und gesellschaftlichen Einrichtungen, die bisher bestanden hatten, notwendig zur Folge haben musste. Aufhebung der Familie, Abschaffung des Eigentums, Gemeinschaft aller Güter, Unbeschränktheit des Genusses waren die Grundsäze, die er proclamirte und zu sofortiger Durchführung zu bringen suchte. Diese Lehre, deren Anhänger sich nach ihrem Stifter Mazdakijah nannten und auch sonst Muhamira (die Rotgekleideten) Huramijah (die Heiteren, Ausgelassenen) oder Zendiks (Bekenner des Zend d. i. des wahren Wortes) hiessen17), fand bald die rascheste Verbreitung 17) S. die Abhandlung Flügel’s über die Mazdakijah in der Ztschr. d. D.-M.-G. 23 S. 532 ff., wo gezeigt wird, dass Mazdak (oder Mardak, wie er auch in manchen Texten genannt wird), der unter Kobad auftrat, kurze Zeit vorher einen Vorläufer gleichen Namens hatte. Die Geschichte dieser älteren Bewegung ist zu wenig aufgeklärt, als dass man sich mit Sicherheit auf sie berufen könnte. Die hei jüdischen Autoren genannten Charamim sind wol die jüngeren Huramijah, in denen der Zendikismus wieder zum Leben kam (vgl. Flügel a. a. 0., Weil, Gesch. d. Chalifen II., 105, 235 ff.) Sie werden zuerst in dem angeblichen Commentare Saadja’s zu Daniel 2,43 genannt, wo gesagt wird, dass unter den Mohamedanern auch Israeliten, Perser, Magier, Charamier und andere Religionsbekenner wohnen und da ihre Sonderexistenz behaupten בערבין בד.ב מזרע ישראל ויושבין בהם וגם פרסיים מגושים ז ח רמי ן וכמה מינץ ולא נדבקין זה עם זה). Der Reisende Petachja hat um die Mitte des 12. Jahrhunderts die Huramijah in der Tigrisgegend kennen gelernt und gibt über sie folgenden Bericht (Wagenseil Excercit. varii argumenti p. 179; Itiner. ed. Ottensosser S. 24) אומה אחת אצל בבל ואין חוששין על המלך והם במרבר ונקראים חרמים על שם שגוזזים וחומסים מנל אומה ופניהם כעשב גרונא ואין מאמינים אלא באלוה יחזקאל וכן קוראים לו כל ״ .הישמעאליםEine Nation wohnt in der Nähe Babyloniens, die auf den König (Chalifen) nicht achtet. Ihre Leute leben in der Wüste und werden Charamim genannt, weil sie wie kein Volk räuberisch und gewaltthätig sind. Ihre Gesichtsfarbe gleicht der Farbe des Grona-Krautes,*) sie glauben nur an *) Für גרונא schreibt Wagenseil einfach ״Grona“; Dukes führt (Ben Chananja IV. S. 140) eine Vermutung an, nach der es ״grün“ sein soll. Ottensosser erkennt darin franz. garance (Färberröte), welches Wort aber Petachjah, der ein Deutscher war, wol kaum gebraucht hat. Vielleicht ist גרונא grana, das im mittelalterlichen Latein (s. Du Cunge, gloss. med. et inf. lat. sv.) nnd im Italienischen ״Scharlachbeere“ bedeutet. Dann war nur der Ausdruck עשב ungenau.

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