Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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den Wissensstoff zu wiederholen, so gut wie abgeschnitten. Die Methode der Mündlichkeit, welche ohne den persönlichen Verkehr, ohne Vortrag und öftere Wiederholung, ohne lebhafte Discussion und gemeinsame Durchsprechung der im Gedächtnisse aufzubewahrenden Kenntnisse nicht bestehen konnte, war jezt in keiner Weise mehr aufrecht zu erhalten. Für die Lehrversammlurigen musste, wofern sie nicht wieder constituirt werden könnten, ein Ersaz geschaffen, die überkommene Lehre auf anderem Wege fortgeleitet werden. R. Abina ist der Mann, der diesen Weg gefunden, der diesen Ersaz geschaffen hat, indem er alle bereits gesammelten gemaristischen Erläuterungen, Erörterungen, Discussionen und religionsgesezlichen Verhandlungen in einer Weise aufzeichnete, dass man ein naturgetreues Bild der Lehr- Versammlungen erhielt, die Behauptungen und Widerlegungen, die Ansichten und Einwände, die Fragen und Antworten, die Bemerkungen und Excursionen in derselben Form sich gestalten, in derselben Reihe auf einander folgen sah, wie man es früher bei diesen öffentlichen Zusammenkünften wahrnemen konnte. Wer in der Gemara, wie sie von R. Abina niedergeschrieben war, las, glaubte sich in eine solche Lehrversammlung versezt. Die ganze wechselvolle lebhafte Debatte, die man dort vor Ohren hatte, hatte man hier vor Augen; es feiten zu den Meinungen und Aussprüchen, die man hier las, nur die Personen, von denen sie ausgingen, und auch diese waren durch ihre Namen, die man sorgfältig vor Verwechslung und Vergessenheit schüzte, repräsentirt. Die Wiedergabe, wie sie R. Abina bewerkstelligte, war eine so treue und vollständige, dass an der Sache selbst nichts geändert schien. Die Lehre war anstatt wie früher in Worte, so jezt in Buchstaben gekleidet. Die Gewohnheit, die dem bisherigen Studium zu Grunde lag, litt nichts unter der getroffenen Aenderung; man fühlte es fast nicht, dass man in eine neue Aera der Lehrthätigkeit eingetreten sei. R. Abina II. richtete, obwol mit dem Tode Phiruz's der Sturm gegen das Judentum sich gelegt hatte, doch in der wolbegründeten Befürchtung, dass die alten Gewaltthätigkeiten sich wiederholen können, seine ganze Sorgfalt darauf, das Lehrgut, das nicht ferner dem Spiele des Zufalls ausgesezt bleiben sollte, rasch in Sicherheit zu bringen; er machte mit der Niederschreibung des Talmuds, der bisher nur schüchterne geheime und unreife Versuche vorangegangen waren, vollen Ernst. 2*