Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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17 und zu durchdenkenJ1), ist die Erhaltung und die Redaction des babylonischen Talmuds in der Gestaltung und Fassung, in der er uns vorliegt, zu verdanken. Sie haben diesem Werke wol nicht seinen Inhalt, aber sie haben ihm seine Form gegeben, sie haben den Talmud zu einem Buche gemacht, zu einem Schriftwerke gestaltet und ihn so als ein unverlierbares Geistesgut der Nachwelt übergeben. Es wird nur Weniges von dem Lebenslaufe dieser Männer und fast gar nichts über die Art, in weicher sie ihr grosses Werk zu Stande gebracht haben, berichtet. Wir erfahren fast nur aus der Angabe ihrer Sterbejahre, dass sie gelebt und wie sie geheissen haben. Aber auch diese dürftige Kunde ist, wenn sie durch eine Betrachtung der damals 12) Die Bezeichnung סבוראי, welche den nachamoräischen Gesezeslehrern, aus deren Mitte der b. Talmud hervorgegangen ist, beigelegt wird, entspricht genau der Lehrthätigkeit, welche mit der zum Abschlüsse gelangenden Tradition ihnen vorgezeichnet war. Während den Amoräern die Fortbildung des überlieferten Lehrstoffes, die Höraah oder Gemara angehört, bleibt ihren Nachfolgern, die ihr Werk in fertiger Vollendung erhalten, nur die Sebara, die Klarmachung und gedankliche Durchdringung des überkommenen Wissenmaterials, übrig. Dass die leztere Richtung der ersteren ergänzend sich anschliesst, das war durch die ganze Methode der Gesezesforschung, wie sie damals in Uebung war, vorherbestimmt. Die Gemara d. i. die Aneignung einer sicheren Gesezeskunde, lehrt Rabba, soll der Sebara, d. i. der Erwägung und Erörterung derselben, vorangehen (ל י ג מר איבש והדר ל י סבר Abod. sar. 19a nach der LA. in Jalkut II, 614 vgl. Sab. 63a), diese ist erst die Frucht jenes, das Verständniss der eigentliche Ertrag einer bestimmten Traditionskenntniss (Berach. 6a אגרא דשמעתתא סברא). Die Saboräer hatten somit ihren Namen davon, dass sie nicht mehr als Lehrende die mündliche Ueberlieferung durch ihre Aussprüche fortbildeten, sondern, da diese in einem Schriftwerke eine feste, nicht zu überschreitende Umgrenzung angenommen hatte, nur als Prüfende die Feststellung und richtigere Erfassung des tradirten Lehrstoffes sich zur Aufgabe machen konnten. Mit R. Asche und R. Abina hatte die Horaa oder die Gemara, welcher Terminus dasselbe ausdrückt (vgl. Berach.5aלהורותם זו גמרא Karetot 13b ולהורות זו הוראה und Hör. lb), aufgehört (Baba meziah 86a) und ihre natürliche Nachfolgerin war die Sebara (die Gegenüberstellung von גמרא und סברא ist im Talmud nicht ungewöhnlich vgl. Abod. sar. 10a u. a. St.), die mit Einsicht gepaarte Reception derselben, durch welche sie ihre Begründüng und Klärung erhält. Der Name Saborai ist darum derjenige, welcher allein gewählt werden konnte, um die Richtung der Männer, die die Erb- Schaft des Amoräismus antraten, in sachgetreuer Weise zu bezeichnen.