Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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16 und birgt sie in weit angelegten Vorratskammern, es schafft den Talmud. Der Talmud ist nicht das Werk eines einzelnen Mannes, er ist die Schöpfung eines ganzen Volkes und kann daher nicht irgend eine Persönlichkeit als dessen Autor und Verfasser bezeichnet werden. Wol aber ist die Gestaltung und Anordnung, die Zusammenfassung und ]Niederschreibung seines Inhaltes das Verdienst einzelner Männer, die zu einer Zeit, in der gerade die allgemeine Theilname völlig gesunken war, sich die Erhaltung desselben zur alleinigen Lebensauf־ gäbe gemacht hatten. Die Sammlung des in den Lehrhäusern geschaffenen Wissensstoffes, war, ehe noch die Religionsverfolgungen im persischem Reiche ausgebroeben waren, schon zum grössten Theile vollendet. Von der Sammlung, die bereits R. Asche bewerkstelligt hatte, bis zur Niederschreibung war nur ein Schritt, aber es erforderte, wenn von dem Gesammelten nichts verloren gehen sollte, diese Arbeit doch eine so sichere und umfassende Kenntniss, eine so treue ausdauernde Sorgfalt, dass diejenigen, die sich ihr unterzogen, auch ihr allein sich ganz widmen mussten. Auf die Fortführung der überkommenen Discussionen und Erläuterungen musste man völlig verzichten, aber doch mussten sie verstanden und durchdacht, durch die nach R. Asche hinzugekommenen Bestandtheile ergänzt werden. Für die eigene Autorität und Productivität, wie sie in der amoräischen Lehrtätigkeit zum Durchbrache gelangte, war da kein Platz, wo der Sinn nur auf eine möglichst vollständige Reception des Ueberkommenen gerichtet sein musste. Man musste nur daran denken, wie das alle Lehrgut zu bewahren, nicht wie neues zu schaffen sei; es galt aber auch zugleich, dasselbe in Echtheit und Sicherheit zu erhalten und es vor der Vermischung mit unzugehörigen Elementen zu befreien. Wir sehen daher in dieser Zeit die amoräische Richtung allmälig erlöschen und dafür in den Lehrhäusern jene revisorische!!Tätigkeit eintreten, mit welcher die Niederschreibung des Talmuds verbunden war. Es beginnt das Zeitalter der Saboräer. Den Saboräern, welche deshalb diesen Namen führen, weil sie keine Aussprüche thaten, die auf der Autorität mündlicher Ueberlieferung basirten, sondern vielmehr darauf sich beschränkten, die Lehrmeinungen ihrer Vorgänger, die sie aulzeichneten — zu prüfen