Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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15 eine reformatorische Massregel von unendlicher Tragweite. Das Bewusstsein, dass damit eine rettende That geschehe, der Lehre des Judentums ein neuer Boden des Bestandes geschaffen werde, war auch dafür ein so reicher Ersaz, dass man mit Trost und Befriedigung auf das Geschehene zurückblicken, mit Hoffnung und Vertrauen der Zukunft entgegensehen konnte. B. Das Judentum war durch das grosse literarische Ereigniss, das jezt in seiner Mitte sich vorbereitete und bald in voller Ausgestaltung hervortreten musste, einem bedeutungsvollen Wendepunkte seiner inneren Entwicklung so nahe gekommen, dass man die Vergangenheit, mit der es nun abschloss, von der Zukunft, die es sich öffnete, deutlich unterscheiden konnte. Es stand nun an der Grenze zweier Zeitepochen, deren Inhalt durchaus nicht gleichartig sein konnte. Eine Richtungt innerhalb welcher es sich seit Jahrhunderten bewegt und fortgebildet, mit deren Geiste es sich so innig verschmolzen hatte, dass eine Lostrennung von derselben einer Selbstaufgebung gleich gewesen wäre, stand an ihrem Ziele, drängte zu ihrem Abschlüsse und der Weg, auf dem sie von Neuem eingeschlagen werden sollte, war, so klar vorgezeichnet er auch schien, doch ein so ungewohnter, dass man es wol erwägen musste, ob er über die Grenzen, in denen allein man das Judentum vor zerstörenden Einflüssen geschüzt glaubte, nicht zu weit hinausführen werde. Die Zeit der Tradition hatte geendet, eine Zeit des Schrifttums sollte nun beginnen. Die Scheidung zwischen Altertum uud Mittelalter, die in der nicht jüdischen Welt durch den Untergang des altrömischen Reiches bewirkt wird, sollte nun in der Judenheit durch den Aufbau eines monumentalen Schriftwerkes, darin das Erbe der Vergangenheit und die Lehre für die Zukunft verwahrt wird, sich vollziehen. Das Judentum will sich angesichts der grossen religiösen und nationalen Bewegungen, die nun über die Erde dahinziehen sollen, verfestigen und seinem Geistesleben, damit es nicht unter den Erschütterungen von aussen her zusammenbreche, eine Burg der Zuflucht gründen, an die keines Feindes Hand hinandringen kann. Es sammelt die zerstreut umherliegenden Geistesschäze