Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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11 Lässt sich zwar die Thatsache, dass R. Asche den Riesenbau des b. Talmuds aus dem reichen Lehrmateriale, das die früheren Geschlechter hinterlassen, aufgeführt habe, nicht bezweifeln, so spricht doch der Inhalt des Talmuds, der zu einem ansehnlichen Theile aus Elementen besteht, welche nach R. Asche hinzugekommen sind, entschieden dagegen, dass dieses Werk seinen Nachfolgern als ein fertiges galt. Der Talmud konnte durch ihn, so weit er den ganzen ererbten Wissens- Stoff in sich fasste, wol vollendet, aber nicht abgeschlossen werden; denn abgeschlossen war die Halacha selbst noch nicht, sie bedurfte noch der Fortbildung, Ausführung und Erörterung nach den verschiedensten Richtungen hin. Der Quell der Ueberlieferung war noch nicht erschöpft, noch hatten nicht alle Ströme, die sie entsendet, in das Meer des Talmuds sich ergossen, dass man alle weiteren Zuflüsse hätte als entbehrlich ansehen können. Die amoräische Lehrrichtung dauerte daher über ein halbes Jahrhundert nach R. Asche’s Tode foit und erst einer späteren Generation war es Vorbehalten, einerseits mit dem nachträglich hinzugekommenen Lehrstoff den früher gesammelten Wissensvorrat zu ergänzen, andrerseits, was R. Asche selbst noch nicht gewagt hatte, ihn in geschriebenen Büchern zur sicheren Aufbewahrung zu bringen. Bei der unbedingten Pietät gegen alles Herkömmliche, deren Macht jedem Gebote der Notwendigkeit widerstand, wäre es gewiss nicht so bald zum Abschlüsse der amoräischen Lehrthätigkeit, zur Verschriftung der Tradition gekommen, wenn nicht Gefahren, die von aussenher drohten, dazu den Anstoss gegeben, wenn nicht die Beligionsverfolgungen, welche sich im persischen Reiche gegen die Juden erhoben, dazu gedrängt hätten. Schon zur Zeit Jezdigerds III. war (436) die Ausübung des jüdisehen Gesezes gewaltsamen Beschränkungen unterworfen worden 6 7) und wenn nach seinem Tode, als Chokadwarda ד) für kurze Zeit den Thron inne hatte, auch darin eine Erleichterung eintrat, so war dafür die Verfolgung, die unter dessen Nachfolger Phiruz ausbrach, um so 6) S. Grätz Gesch. 4, 2. Ausg. S. 402—405. 7) Dieses ist nach Mordtmann (Ztschr. d. D.-M.-G. 19, S. 436, 437) die richtige Form dieses Namens.