Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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breite Oeffnung hindurchgeht.3) Dieses Urtheil ist ganz aus der Zeit geschöpft, deren Bild er vor Augen hatte. Es stellte sich die Vergesslichkeit als eine Erscheinung ein, die wegen der Forterhaltung der mündliehen Lehre Besorgnisse erregen musste, aber sie hatte nicht in der Abnahme des Erinnerungsvermögens, sondern in der Zunahme des Wissensstoffes, der von ihm bewältigt werden sollte, ihren Grund. Es war klar, dass man dem Gedächtnisse nicht mehr die ererbten Geistesschäze anvertrauen konnte, sie mussten sicherer verwahrt, besser geschüzt werden, als es bisher der Fall war. Das Bedürfhiss, mit der Methode der mündlichen Ueberlieferung, der man bisher treu geblieben war, zu brechen, war zu dieser Zeit schon in den Gemütern vorhanden, aber man wollte es nicht mit Worten ausdrücken, die zugleich als ein Gebot, das eine Gesezes- Übertretung fordert, gegolten hätten. Vor der Hand unterliess man es noch, dem Gebote der Notwendigkeit, dessen mahnende Stimme man nicht überhören konnte, vollends nachzugeben, und versuchte es dem Gedächtnisse durch eine bessere Gruppirung, Anordnung und Zusammenfassung des weitschichtigen Lehrstoffes zu Hilfe zu kommen. R. Asche war es, der dieses umfangreiche Werk begann und auch ausführte. In den grossen, viel besuchten Lehrversammlungen (Kallah), die alljährlich zweimal im ersten Frühlings- und im ersten Herbstmonate abgehalten wurden, wurde das ganze Material an Discussionen und Ueberlieferungen, das in massenhafter Anhäufung vorhanden war, nach der in der Mischna gegebenen Reihenfolge durchsprochen und ihm die Fassung und Ordnung verliehen, in der es fortan verblieben ist. Der langen Dauer seiner Amtsperiode, der durch keine gewaltsamen Eingriffe von aussen gestörten sicheren Stellung, deren sich die babylonische Judenheit damals erfreute, ist es zu verdanken, dass diese seine von starken Willen geleitete, von reichem Wissen unterstüzte Thätigkeit einen so glücklichen Fortgang nahm, und der chaotisch überflutende Lehrstoff Begrenzung und Gestaltung erhielt. Zum grossen 3) Erub. 63a א׳ר אשי אנן כי אצבעתא בבירא לשכחה. Ausser der LA. בבירא, der Raschi folgt, bestehen noch die Varianten בביזרא (R. Chananel in Ar. sv. und in Tosafot z. Stelle) und בביתא (Scherirae Epistola ed. Goldberg 1 in Chofes matmonim 31a, ed. G. 2 Mainz 1873 S. 27, vgl. השלום היוחכין ed. London Seite 49). Wir haben im Texte die Stelle im Sinne der lezten Fassung wiedergegeben.