Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Journal
- Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
- Volume
- II. (1876)
- Date
- 1876-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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gekannt war, hatte in Babylonien eine so weitreichende Geltung, dass selbst gegen die Ausfertigung von Briefen halachischen Inhalts Bedenken getragen und Widerspruch erhoben wurde.2) Wenn man nun bei der Zähigkeit, mit der man an dem ererbten Herkommen festhielt, bei der unerbittlichen Consequenz, mit der das vorgeschriebene Gesez eingehalten wurde, dann dennoch über das Verbot, mündliche Lehre niederzuschreiben, sich hinaussezte, so kann man dies nicht etwa nur einer in der Uebung desselben eingetretenen Schlaffheit zuschreiben, es muss vielmehr dafür ein gewichtiger Grund vorhanden gewesen sein oder eine so zwingende Notwendigkeit, dass man ihr nicht widerstehen konnte. Das Gesez wird in der Mischna gar nicht und auch im babylon. Talmud nur einmal gelegentlich erwähnt, es wurde auch nicht ausdrücklich aufgehoben und ausser Kraft gesezt; es wurde einfach ignorirt und ohne dass irgend ein Wort dafür oder dawider gesprochen wurde, so betrachtet, als ob es nicht vorhanden wäre. Was diese Ausserachtlassung einer früher so hochgehaltenen Vorschrift hervorgerufen hat? Ohne Zweifel zunächst die immer mehr anwachsende Masse des Lehrstoffes, die das Gedächtniss überbürdete und innerhalb der Grenzen der gewöhnlichen menschlichen Fassungskraft keinen Raum mehr hatte. R. Asche, der ein halbes Jahrhundert (375—427) hindurch als Schulhaupt von Sora gewirkt und eine früher nicht erreichte Theilname an der Beschäftigung mit der Lehre erweckt hat, klagt darüber, dass das Gedächtniss seine Tragkraft einbüsse und das angeeignete Wissen demselben so leicht entschwinde, wie ein Finger durch eine Du", begannen oder schlossen (vgl. darüber besonders j. Berachot I,8). Die Erlernung derselben war Gegenstand des Unterrichts (j. Berachot 1. c. מברכותיו של אדם ניכר אם תלמיד חכם הוא אם בור הוא vgl. bab. Berachot 85a, 38a (53 (בקי בברכותb). Rappaport und Grätz suchten hier vergebens nach einem anderen Begriffe. Da kein wirklicher Segensspruch ohne Gottesname ist, und eine Schrift, in der ein solcher vorkömmt, nicht der Gefahr der Vernichtung durch Feuer ausgesetzt sein sollte, so wurde, weil sich die Erlaubniss, am Sabbate Schriften dem Feuer zu entreissen, nur auf die biblischen Schriften beschränkte, vor dem Mederschreiben der Segenssprüche gewarnt. s) Temura a. a. 0.