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Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur · 1876-01-01 · II. (1876) · page 10

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Journal
Jahrbücher für jüdische Geschichte und Litteratur
Volume
II. (1876)
Date
1876-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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A seine Einzelheiten noch fortgesezt und ergänzt werden konnte, ein weiterer Ausbau desselben״ möglich schien, konnte das Werk nicht aus der Hand gegeben, musste das alte Verbot, die Halacha niederzuschreiben, aufrecht erhalten werden. Desungeachtet war diese aber nicht einer subjectiven Gestaltung preisgegeben. Sie wurde nach der Ordnung, die in der ebenfalls nicht niedergeschriebenen Mischna gegeben ist, vorgetragen, sammt der ihr sich anschliessenden Discussion, die alle bekannten einschlägigen Aussprüche, Beweise, Einwendungen, Widerlegungen, Ergänzungen und Bemerkungen in sich aufnah נון, wiederholt und im Gedächtnisse erhalten, als mündliche Lehre weiter überliefert, bis es endlich an der Zeit schien, diese immer unhaltbarer werdende Methode aufzugeben und den ganzen vorhandenen Lehrstoff aufzuzeichnen. Der Talmud ist somit ein Werk, bei dem Abfassung und Nieder- Schreibung von einander getrennt sind, das eigentlich nicht verfasst wurde, sondern entstanden ist. Er war, ehe er zum Buche geworden, im Bewusstsein des Volkes schon niedergeschrieben; er ist die zur Schrift gewordene Tradition, das zum Buche gewordene Lehrhaus und konnte darum, trozdem er das erste Erzeugniss der jüdischen Literatur nach einer langen Stillstandsperiode gewesen, nicht als eine neue Erscheinung angesehen werden, die Aufmerksamkeit erregt und zur Merkwürdigkeit wird. Ueber die Entstehungsgeschichte des Talmuds als Schriftwerkes sind uns daher so dürftige Nachrichton zugekommen, dass wir eigentlich darüber so viel wie nichts wissen und es als eine des Gegenstandes gewiss würdige Aufgabe erscheint, wenn wir Alles, was Bezeugung und Vermutung darüber ergeben, in Folgendem hier Vorbringen. Es wird zunächst darzustellen oder vielmehr, da die Wissenschaft noch nichts darüber festgestellt hat, zu untersuchen sein, was zu der Niederschreibung des Talmuds die Veranlassung gegeben, dann, wer dieses Werk zu Stande gebracht, und endlich auf welche Weise sein Abschluss stattgefunden hat. A. Das überkommene gegen die Niederschreibung von Halacha’s gerichtete Verbot, das zunächst der Tradition den Charakter der Mündlichkeit, aus dem sie ihre Autorität herleitete, wahren und vielleicht auch dazu dienen sollte, die als Ueberlieferung anerkannte Lehre

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