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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 475

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 475 (sequence 75)
Language
German
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Das Buch Hiob. 475 sichtlich so viel eitles Geschwätz zu geben? Vielmehr bedeutet das Schweigen Hiob's hier entschieden dasselbe, wie das Verstummen der Freunde im ursprünglichen Gedicht. Demnach soll also Hiob, der den mächtigen Worten des Eliphas getrotzt hatte, dem viel weniger gehaltvollen Gerede Elihu's unterliegen. Dazu setzt der Anfang der Rede Gottes (38, 2 fg.) entschieden voraus, daß unmittelbar vorher Hiob gesprochen hat. Also stören diese vier Reden Elihu's durchaus den Plan und Zusammenhang des Ganzen. Ferner wird Elihu weder im Prolog noch im Epilog erwähnt. Gott redet am Schluß mit Hiob und den drei Freunden; jeder bekommt seinen Bescheid, aber von Elihu erfahren wir nichts mehr. Dazu kommt endlich ein großer Unterschied der Sprache und des Stils deni ursprünglichen Gedicht gegenüber. Freilich hat sich der Dichter des „Elihu" an dem ältern gesonnt und ihm manche Redensart, manches Bild entlehnt, jaber im einzelnen wie im ganzen ist die Verschiedenheit doch sehr groß. Eine Menge von Lieblingsworten nnd Redensarten wiederholt sich immer wieder im „Elihu", und zum Theil sind dies solche, die sonst im Alten Testament oder doch im „Hiob" gar nicht weiter Vorkommen. Der Stil ist viel breiter und weniger körnig als der des echten „Hiob". Die langen Einleitimgen, in denen Elihu erklärt, er wolle reden, er wolle Weisheit verkünden u. s. w., ohne zur Sache kommen zu können, stechen sehr unvortheilhaft von der Redeweise des ältern Dichters ab. Namentlich ist die erste Rede Elihu's fast ganz inhaltsleer. Auch die prosaische Einleitung 32, I fg. hat eine ganz andere Erzählungweise als die echten prosaischen Stücke. Der poetische Werth des „Elihu" ist bedeutend geringer als der des wahren „Hiob". Damit soll aber durchaus nicht behauptet werden, daß jener nicht auch seinen Werth habe; besonders die letzte Rede (deren Text leider stark verderbt ist) hat viele Schönheiten. Obgleich wir dem Dichter „Elihu's" also durchaus nicht eine bedeutende Begabung absprechen können, so läßt sich doch nicht leugnen, daß im ganzen das Neue, welches er bringt, gegen den Geist des ursprünglichen Gedichtes, das, worin er mit diesem übereinstimmt, aber ihm geradezu nachgebildet ist. Die Entstehung des „Elihu" braucht nicht sehr viel später zu sein als die des echten „Hiob". Allerdings stimmt die geringere Bündigkeit des Ausdrucks zu -dem allgemeinen Charakter der etwas späten: Schriften. Der Stil Elihu's nähert sich schon einigermaßen dem der Propheten aus der letzten Zeit des selbständigen Juda. Das Stück ins Exil oder noch später zu setzen, liegt aber kein Grund vor. Dies große Einschiebsel halte ich aber auch für das einzige unechte Stück unsers Buches. Von dem falschen Verdacht gegen die prosaischen Stücke habe ich schon oben gesprochen. Auch das Stück vom Nilpferd und Krokodil (40, 15 — 41, 26) kann ich nicht mit Ewald für ein späteres Einschiebsel halten. Allerdings ist dies Stück etwas gedehnt und schwächt den Eindruck der Rede ein wenig ab; aber im einzelnen sind die Schilderungen vortrefflich und ganz in der Art des ursprünglichen Dichters. Die beiden ägyptischen Wundertiere müssen auf den Dichter einen ganz besonder» Eindruck gemacht haben. Er hielt es für zweckmäßig, seinen Landsleuten diese unbekannten Ungeheuer besonders zu schildern; ihre Abnormität rechtfertigte die Stellung in einer besonder» Rede. Ter Gedanke, daß Hiob Gott nicht meistern soll, der solche Wesen geschaffen, denen gegenüber der Mensch rath- und thatlos ist, paßt außerdem gut zumGanzen, wenn er auch etwas klarer Hütte ausgedrückt werden können. Es würde übrigens auch immer einige Schwierigkeit machen, zwischen dem ursprünglichen Dichter und dem des „Elihu" noch einen dritten an: „Hiob" thätig sein zu lassen; denn daß dies Stück älter sein muß als „Elihu", unterliegt keinen: Zweifel. Wir müssen es als eine ganz besondere Gunst des Geschicks ansehen, daß uns das Buch Hiob, beiläufig bemerkt, das einzige große einheitliche Gedicht, das wir noch aus dem hebräischen Alterthum besitzen, erhalten ist. Das Buch scheint in älterer Zeit hohen Ansehens genossen so haben. Mehrfach klingen

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