Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 476 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2417805-2417813-2417819--998-2418843- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
476 Jllustr. Monatsh. für d,ie ges. Interessen des Judenthums. Stellen aus ihm in spätem Gedichten wieder. Dies Ansehen von alters her hat es wol bewirkt, daß inan ihm eine Stelle in der drittenReihe heiliger Schriften einräumte. Allerdings war in dem Buche allerlei Bedenkliches, aber glücklicherweise war das Verständniß des einzelnen so schwierig, daß sich die Anstöße mit geringem Aufwand von- Jnterpretationskunst wegschaffen und aus andern Stellen sehr erbauliche Sätze ziehen ließen, die freilich vom Dichter durchaus nicht hineingelegt waren. Ferner ließen sich ganze Stellen sowol aus Hiob's wie aus seiner Gegner Reden dogmatisch mW paränetisch gut verwerthen. Freilich durfte man dabei nicht zu stark auf den Zusammenhang des Ganzen achten und nicht berücksichtigen, ob dieser oder jener Satz nur im Eifer der Polemik vorgebracht, vielleicht nachher ausdrücklich widerlegt wurde, aber auf solche Rücksichten kam es auch weder den jüdischen noch den christlichen Erklärern im Alterthum besonders an. Jedoch sehen wir daneben einzeln auch wol das Bestreben, dem Plan des Dichters gerecht zu werden und den Hiob selbst in einer richtigen Stelle gegenüber den andern aufzufassen. So findet sich bei Kirchenvätern z. B. die Auffassung der drei Freunde als Typen der Häretiker; aber gerade aus solchen Urtheilen erkennt man, wie wenig in jenen Zeiten die Möglichkeit gegeben war, ein solches Werk unbefangen zu verstehen. Im ganzen ist das Buch für die Dogmatik' des Judenthums und Christenthums, aus leicht begreiflichen Gründen, von sehr geringem Einfluß gewesen. Das wirkliche Verständniß beginnt erst wieder allmählich mit der Reformation. Uebrigens war es den alten Kirchenvätern schwer genug gemacht, den Hiob zu verstehen. Die griechische Übersetzung, deren sie sich allein bedienen konnten, ist zwar ein anerkennenswerthes Werk, dessen Verfasser durch das Streben, Poesie durch Poesie wiederzugeben, einen selbständigen, frischen Sinn zeigt, aber freilich fehlte es dem etwa in der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Ehr. arbeitenden Uebersetzer zu sehr an dem richtigen Wortverständniß des schwierigen Textes, sodaß er immer höchstens den ungefähren Sin» wicdergeben konnte. Dazu nahm er sich die Freiheit, unverständliche Stellen ganz wegzulassen. Diese wurden nun später aus wörtlichen Uebersetzungen ergänzt, und dazu kamen Zusätze und Corruptionen aller Art, sodaß endlich ein ganz buntscheckiger und dem Original wenig entsprechender Text entstand- Besser hatte es freilich die abendländische Kirche, seit Hieronymus mit jüdischer Hülfe seine eigene Uebersetzung angefertigt hatte. Aber woher hätte sie die Unbefangenheit und Klarheit bekommen sollen, das Verständniß des Gedichtes so weit zu gewinnen, wie es aus dieser tüchtigen, wenn auch durchaus nicht fehlerfreien, Arbeit möglich gewesen wäre? An unsere Leser. Durch andere größere Unternehmungen in Anspruch genommen, sehen wir uns bemüßigt, hiermit das Erscheinen der „Jllustrirten Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums" einzustellen. Indem wir dem Publikum für die diesem unserm Unternehmen geschenkte reiche Theilnahme verbindlichst danken, geben wir zugleich dem Bedauern Ausdruck, daß nicht alle, von den Lesern und der Kritik beifällig aufgenommenen Artikel zum vollständigen Abschluß gelangen konnten, und daß wir von Herrn Leopold Kompert nicht in die Lage gebracht wurden, unsere Zusage der Veröffentlichung einer Novelle aus seiner Feder in dem vorliegenden Bande,- die wir auf Grund mehrfacher, von genanntem Herrn uns gemachter mündlicher und schriftlicher Versprechungen ertheilten, halten zu können. Wien. Arnold Hilberg's Verlag Für die Redaction verantwortlich: Arnold Hilberg in Wien. Arnold Hilberg's Verlag in Wien. — Xylographie und Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig.