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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 473

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 473 (sequence 73)
Language
German
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Das Buch Hiob. 473 gesehen, es auch wol dem Mose beigelegt. Diese Annahmen beruhen blos auf einer groben Verwechselung des Dichters mit seinem Helden. Auch die Hypothese eines nichtisraelitischen (arabischen, idumäischen u. s. w.) Verfassers geht von derselben Verwechselung aus. Solche Ansichten sind denn seit etwa fünfzig Jahren auch allgemein aufgegeben. Dagegen haben andere das Buch ungebührlich jung machen wollen und es wol gar in die nacherilische Zeit geschoben, deren religiöse Äengstlichkeit schlechterdings nicht mit der titanenhaften Kühnheit Hiob's in Einklang zu bringen ist. Die ungefähre Stellung des Buches ergibt sich schon aus der allgemeinen Literaturentwickelung. Ein so vollendetes Kunstwerk muß noch in der Blütezeit der Literatur geschrieben sein. Welch ein Unterschied ist zwischen der Sprache Hiob's und der der Propheten Jeremia und Ezechiel! Und wenn nun Ezechiel, wie wir ober: sahen, auf unser Blich hinweist, Jeremia dasselbe geradezu nachahmend benutzt (vgl. besonders Jer. 20, 13 fg. mit Hiob 3, aber auch noch andere Stellen könnten angeführt werden), so geht daraus wenigstens ein etwas höheres Atter hervor. Alis der andern Seite kann das Gedicht, das doch schon eine große literarische Entwickelung voraussetzt, nicht in die älteste Epoche hebräischen Schriftthnms hinaufgerückt werden. Zu dieser gehört aber noch die salomonische Zeit, in welche einige „conservative" Erklärer dasselbe verlegen. Schon die Benutzung gewisser Theile der Genesis führt uns bedeutend unter Salomo herab, ebenso die Wahrscheinlichkeit, daß dem Dichter bei der Scene mit dem Satan das Prophetenwort 1. Kön. 22, 19—22 vorschwebte. Wir werden nicht sehr sehlgreifen, wenn wir das Gedicht ungefähr in die Zeit des Jesaia verlegen. Dazu stimmt auch seine Verwandtschaft mit einigen Theilen der Sprüche, welche ungefähr in dieselbe Zeit zu verlegen sind. Ailspielungen auf bestimmte Zeitereignisse finden wir begreiflicherweise im „Hiob" nicht. Freilich liegt es nahe, bei der Schilderung der in die Gefangenschaft abgeführten Fürsten und Großen (12, 17 fg.) an das Exil des Reichs Israel (Ephraim) zu denken; dies würde gllt zu der von uns angenommenen Zeit passen, aber sicher ist hier nichts. Falsch ist es, wenn man aus der Erwähnung der Chaldäer 1, l? folgern will, „Hiob" sei erst ein Erzeugniß der chaldüischen Periode. Vielmehr erscheinen hier die Chaldäer in einem ganz andern Lichte als später. Ter Erzähler berichtet lauter plötzliche, vollkommen unerwartete Unglücksfülle. Feuer füllt vom Himmel lind verzehrt die 7000 Stück Kleinvieh sammt den Hirten; ein Windstoß stürzt das Haus über sämmtliche KiuderHiob's zusammen; so müssen auch ganz ungeahnte Feinde, Chaldäer, nnd Sabäer von den Enden der Erde kommen, um die übrige Habe zu vertilgen. Freilich hat inan, um die Sache natürlicher zu machen, aus den Sabäern, die im südlichsten Arabien saßen, Beduinen der syrischen Wüste machen wollen, aber gegen alle Geschichte. Vielmehr zeigt uns gerade die Gegenüberstellung der Sabäer, daß deni Dichter auch die Chaldäer ein ganz fernes Volk waren, das nach dem natürlichen Laufe der Dinge in Hiob's Land nicht zu erwarten war; mithin muß er vor den Ervberungszügen der Chaldäer in Syrien nnd Palästina geschrieben haben. Aus den vielfach vorkommenden Klagen über Unglück lind Unterdrückung der Armen folgt weder, daß das Gedicht aus einer Unglücksperiode stammt, noch überhaupt etwas Näheres über seine Abfassungszeit; denn solche Zustände gab es so ziemlich zu allen Zeiten. Auch die für ein späteres Zeitalter geltend gemachten sprachlichen Gründe sind durchaus nicht stichhaltig. Der große Reichthum der Sprache, über welche der Dichter verfügt, bringt es mit sich, daß er gar manches Wort gebraucht, das uns sonst zufällig nicht im Hebräischen, wohl aber im Aramäischen oder auch wol im Arabischen erhalten ist, das aber doch echt hebräisch war. Der Dichter hatte zur Verwendung solcher Wörter um zo mehr Veranlassung, als er die verschiedensten Gebiete des Lebens berührt, die sonst in den uns erhaltenen hebräischen Schriften nicht berücksichtigt werden.

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