Mannheim
Compact Memory

Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 472

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 472 (sequence 72)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2417805-2417813-2417819--994-2418839
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

472 Jllustr. Monatsh. für die gef. ist auf jeden Fall das Local des Gedichts — verändert sich durch die Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch äußerst wenig, und der Dichter konnte die wesentlichsten Züge aus seiner Gegenwart nehmen, mn die uralte Vorzeit zu schildern. Uebrigens bedient er sich der dichterischen Freiheit, seinem Helden einen über alle gewöhnlichen Verhältnisse gehenden Wohlstand zu verleihen. Daß das Gedicht keine Geschichte ist, versteht sich von selbst. Schon die Scene im Himmel und die Theophanie, welche beide durchaus wesentlich für die Oekonomie des Ganzen sind, weisen darauf hin, daß wir uns hier auf dem Gebiet der Dichtung befinden, und die langen poetischen Reden müssen auch den wundergläubigstcn Ausleger hiervon überzeugen. Schon im Talmud wird die Ansicht angeführt, daß Hiob nie gelebt habe, sondern eine singirte Person („ein Gleichnis;") sei. Luther neigte sich zu der Annahme, daß ein Dichter hier einen geschichtlichen Stoff bearbeitet habe. Andere hielten aber mit lächerlicher Strenge an der Geschicklichkeit, ja der wörtlichen Richtigkeit der Reden fest. Eine andere Frage ist die, ob der Dichter seinen Stoff geradezu erfunden habe. Mit Recht bemerkt Ewald, daß eine solche Erfindung nicht im Geiste der alten Literatur sei. Dazu kommt, daß die Namen der wichtigsten Personen, namentlich des Hiob selbst, keine in die Augen fallende Bedeutung haben, wie sie es vermuthlich haben würden, wenn der Dicher sie selbst gebildet hätte; inan vergleiche die vom Dichter frei geschaffenen Namen der Töchter Hiob's (42, 14). Nun ist uns der Name des Eliphas Mich aus der Genesis (36,11) bekannt, und zwar steht er da, wie hier, in Verbindung mit Theman. Es liegt daher nahe, anzunehmen, daß die Sage auch die beiden andern Freunde mW besonders auch den Hiob in Verbindung mit dem Lande Uz kannte. Was aber die Ueberlicferung weiter von ihm berichtete, wie viel der Dichter auch in der Erzählung selbst geschaffen hat, das können wir nicht inehr beurtheilen, und noch weinger, ob der Sage irgendetwas Geschichtliches zu Grunde lag. Wenn Ezechiel (14, 14. 20) den Hiob Interessen des Judenthums. als historische Person nennt, so hatte er wahrscheinlich schon unser Buch vor Augen. Die im Griechischen leicht mögliche Verwechselung des Hiob (Job) mit dem 1. Moses 36, 33 fg. genannten Jobab hat einige scheinbar geschichtliche Nachrichten über jenen veranlaßt, welche schon sehr früh an die alte griechische Uebersetzung des Buches gehängt worden sind. WaS dann jüdische, christliche und mohammedanische Legenden weiter von Hiob berichten, gehört nicht hierher. Der Schauplatz der Geschichte, das Land Uz, ist nicht genau zu bestimmen. Jedenfalls ist dies ein alter Name, der nur noch poetisch und in alten Ueberlicferungen vorkommt. Wahrscheinlich lag das Land südöstlich von Palästina. Die Allsprüche, welche das nordöstlich gelegene Hauran darauf macht, das Land Hiob's zu sein, scheinen mir trotz ihres hohen Alters ein geringeres Geivicht zrr haben; denn wenn das dortige Hiobskloster auch aus den ersten Jahrhunderten n. Ehr. stammt, so weiß man doch, wie wenig auf solche Mönchstraditioneil zn gebeil ist. Wir können nicht daran zweifeln, daß damals der Name Uz längst verklungen war. Wie fast bei allen Meisterstücken der hebräischeil Literatur (mit Ausnahme der meisten prophetischeil Schrifteil), fehlt uns jede Nachricht über den Dichter. Wir können nur vermutheil, daß derselbe manche der hier geschilderten Kämpfe selbst durchgemacht und in schweren Leiden große Zweifel zu überwinden gehabt hatte. Mit ziemlicher Sicherheit läßt sich auch annehmeil, daß er in Aegypten gewesen war; allerlei Hindeutnngen auf ägyptische Verhältnisse, namentlich aber die lebendige Schilderung des Nilpferdes (Behemoth) und des Krokodils (Leviathan), welche ganz so aussieht, als beruhe sie auf eigener Anschauung, sprechen dafür. Eine solche Annahme hat auch gar nichts Auffallendes in sich; während es durchaus verfehlt ist, aus feilen Umständen ohne weiteres zu schließeil, daß unser Gedicht in Aegypten geschrieben sei. Die Abfassttngszeit läßt sich nur ganz im allgemeinen bestimmeil. Man hat lange Zeit das Gedicht als uralt an-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.