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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 471

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 471 (sequence 71)
Language
German
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Das Buch Hiob. 471 Buch selbst zu lesen. Für den, welchem das Original unzugänglich ist, gibt es mehrere gute Uebersetzungen aus neuerer Zeit, die wenigstens einen gewissen Ersatz bieten. Luther hatte leider mit den überaus großen Schwierigkeiten der Sprache „Hiob's" zu viel zu kämpfen, als daß es ihm hätte gelingen können, eine noch jetzt brauchbare Üebersetzung desselben zu liefern. Wir sagen das um so unbefangener, je höher wir Luther als Uebersetzer im allgemeinen stellen, und je mehr wir anerkennen, daß seine Üebersetzung der leichtern Bücher des Alten Testaments noch jetzt außerordentlich zu empfehlen ist. Wie oben angedeutet, ist der größte Theil des „Hiob" in poetischer Form abgefaßt, und zwar tritt es hier noch durchweg klar zu Tage, daß die Dichtungsart von der einfachen Spruchpoesie ausgegangen ist. lieber diesen Zusammenhang der didaktischen Gedichte mit der Spruchform habe ich früher des Weitern geredet. Großes Lob verdienen auch die der Form nach prosaischen Theile. Dem Hebräer ist durchaus keine andere Form der Erzählung bekannt als die Prosa. Die Geschichte der Erzväter wie die Wunder der Propheten, Kriegsthaten und Idyllen, alles konnte nur in prosaischer Form berichtet werden, so poetisch auch die Entwickelung und die Darstellung im einzelnen sein mochte. So stand also auch unserm Dichter kein anderer Weg offen, um die nothwendigen Angaben über die Ursache, den Verlauf und den Ausgang zu geben, als einfach zu erzählen. Sobald aber innerhalb dieser prosaischen Abschnitte gesprochen wird, gliedert sich die Rede immer gleich rhythmisch (z. B. l, 7. 21). Die Erzählung ist sehr einfach, aber eine schöpferische Phantasie belebt sie. Die behagliche Schilderung von Hiob's Reichthum und Glück, die himmlische Versammlung, die Unglücksposten und alles ist durchaus zweckmäßig und kräftig erzählt. Beim Schluß ist es sehr fein, daß der Satan nicht noch einmal erwähnt wird. Der Ausgang hat genug gegen ihn gezeugt; es wäre überflüssig, dies noch besonders hervorzuheben. Es ist mir unbegreiflich, wie man in neuerer Zeit den Prolog lind Epilog oft für unecht hat erklären können. Der Rest des Gedichtes wäre rein unverständlich. Die prosaische Form erklärt sich vollständig aus dem Ebengesagten. Sie wird ja auch innerhalb des poetischen Theils überall angewandt, wo etwas zu erzählen ist iz. B. 4, t. 2; 4, 1; 27, l; 4P l). Der Einwand, daß der Schluß den alten Vergeltungsglauben nur bestärken könne, wäre, auch wenn er ricbtig wäre, doch ganz ungehörig. Wollte man wirklich die poetische Gerechtigkeit so weit aus den Augen setzen lassen, daß Hiob schließlich auf dem Ascbenhaufen am Aussatz sterben müßte? Der treffliche Takt des Dichters zeigt sich besonders auch darin, daß er zum Helden seines Gedichts keinen Israeliten wählt, welcher dein mosaischen Gesetz unterworfen ist, sondern einen Mann der grauen Vorzeit, der den Gott Israels nicht nach levitischem Ritus, aber nicht welliger fromm verehrt, ganz wie Abraham und die andern 'Patriarchen, deren Bild dem Dichter offenbar vorschwebte. Darum gebrauchen die Redenden auch nicht den specifisch israelitischen Gottesnamen Jahve lmisbrüuchlich Jehova), sondern bedienen sich anderer poetischer oder alterthümlicher Bezeichnungen Gottes, während der Dichter, wo er selbst redet, jenen Namen ganz unbefangen anwendet. Hiob erscheint als ein angesehener, reichbegüterter Mann, wie Abraham. Aber er ist nicht etwa als ein Nomadenscheikh anzusehen, sondern als ein seßhafter Grundherr; dafür sprechen schon die nur für den Ackerbauer, nicht für den Nomaden brauchbaren Heerden von Rindern und Eseln, die ihm ganz im Anfang beigelegt werden. Die Situation einer alten, vvrisraelitischen Zeit ist gut durchgeführt, strenger allerdings in den erzählenden Theilen als in den Reden, aus welchen doch oft die Gegenwart des Dichters redet. Uebrigens hat man doch aucks manchmal zu viel Gewicht auf den „Hauch der Urzeit" gelegt, welcher das Gedicht durchdränge. Das Leben in der Wüste und am Rande derselben — und hier

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