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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 470

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 470 (sequence 70)
Language
German
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470 Jllustr. Monaish. für die gef. wenige Striche zeichnen sein Glück bis an den Tag, wo er„alt nnd lebenssatt" stirbt. Der hier gegebene Abriß kann kaum eine Ahnung von den Schönheiten des herrlichen Gedichtes geben. Ueberall bewährt der Dichter seine Meisterschaft. Die verschiedensten Farben stehen ihm zu seinen lebenswahren Gemälden zu Gebote. Er weiß auf gleiche Weise den rein lyrischen Ausbruch der Klage und die bittere, leidenschaftliche Seelenstimmuug des Dulders, wie die glänzenden Schilderungen des göttlichen Wirkens in der Natur und im Menschenleben zu schildern. Der tief gebeugte, dem Verschmachten nahe Hiob, der dennoch Geisteskraft genug behält, mit bald ruhiger, bald heftiger Widerlegung und mit schneidender Ironie die Freunde abzuweiscn nnd Gott selbst gegenüber in himmelstürmender Rede sein Recht zu fordern, ist in einer Weise durchgeführt, die man gerade bei einem hebräischen Dichter durchaus nicht erwarten sollte. Denn eine solche Objektivität ist in der durch und durch subjcctiven Poesie der semitischen Völker sonst unerhört. Mit welcher Kunst wird der Wechsel der Stimmung beiin Hiob angedeutet, je nachdem in ihm mehr die Verzweiflung und die Hitze des Streits oder die ruhige Klarheit seines Innern hervortritt! Allerdings hören wir aus Hiob's Reden gar oft die Klagen nnd Gedanken aller unschuldig leidenden heraus, sodaß er mitunter als rein ideale Person in ihrem Namen redet. Bei kalter Ueberlegung ließe sich überhaupt fragen, ob ein Mensch, der in Hiob's Lage wäre, solche Reden halten könnte; aber wer durch solche Fragen den Werth des Gedichtes heruntersetzen wollte, würde ebenso verkehrt handeln wie der, welcher sich an dem wunderbaren Eingang oder der Gotteserscheinung am Schluß stieße. Die Freunde erscheinen nicht etwa als bösartige Menschen, sondern nur ihr einseitiger Standpunkt verführt sie dazu, in der wohlwollendsten Absicht den Dulder immer noch mehr zu kränken. Ihre Reden sind voll der herrlichsten Weisheit, aber sie wenden diese falsch an. Unter sich heben sich die Interessen des Judenthums. Charaktere der Freunde nicht stark voneinander ab; nur EliphaS tritt als der angesehenste und älteste deutlich hervor. Seine Reden sind die inhaltvollsten und eindringlichste!:. Gott selbst verschmäht es § in dem Gedichte, durch weitläufige Beweise die Wahrheit festzustellen; er weist auf die Wunder der Natur hin, die er dem Menschen nacheinander vorführt; darin liegt seine Rechtfertigung. Es ließe sich weitläufig ausführen, wie gerade seine Reden, der Glanzpunkt des ganzen Gedichtes, so recht charakteristisch für die israelitische Auffassung Gottes sind. Der Gott Israels ist kein transscendentales, metaphysisches Wesen, sondern der, von dessen Dasein nnd Walten die ganze Natur den Menschen mit unmittelbarer Gewalt überzeugt. Wenn die Durchführung des Planes und die Fertigkeit der Charakterisirung hohen Lobes Werth sind, so sind die Schönheiten des einzelnen noch weit höher zu schätzen. Non dem Reichthum nnd der Kraft der Sprache, der Pracht der Bilder und Schilderungen kann auch die beste Uebersetzung nur einen schwachen Begriff geben. Der Dichter führt uns bald in die Natur, bald in die Beschäftigungen und Zustände des Menschen, ja selbst mythische, namentlich astrologische Züge verschmäht er nicht anzubringen. Die vielen Anspielungen auf das Leben und Treiben derMeuscheiGnachen es beim „Hiob" fast mehr als bei'irgendeinen: andern Buche des Altei: Testaments nöthig, das orientalische Lebei: einer genauem Beobachtung zu unterziehen. Auf Schritt und Tritt empfängt das alte Buch Licht durch das Lebe:: und die Natur des heutige«: Morgenlandes. Freilich bleibt uns dennoch gerade von solchen Anspielungen vieles dunkel, denn weder ist der Orient in: kleinen absolut unverändert, noch sind solche oft kurze Andeutungen immer klar genug, um auch durch einesolche lebendige Erläuterung in ein rechtes Licht gesetzt werden zu können. Wir könnten leicht eine Reihe besonders herrlicher Stellen hervorheben; doch fingen wir damit an, wir wüßten nicht, wo wir aufhören sollten. Wir können den Leser nur auffordern, das

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