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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 469

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 469 (sequence 69)
Language
German
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Das Buch Hiob. 469 habe, aber die Anspielungen sind deutlich genug, Hiob besteht dagegen auf seiner Unschuld. Er kennt Gottes Allgewalt so gut wie sie, aber er vermißt seine Gerechtigkeit; wollte Gott mit ihm nur ins Gericht gehen, so würde er ihn unschuldig finden. Dabei bricht er wiederholt in die schrecklichsten Klagen über sein Elend' aus. Im zweiten Gange, Kap. 15—2 t, werden die Anspielnilgen der Freunde immer deutlicher. Sie schildern das traurige Los der Frevler mit Farben, die ganz dem jetzigen Zustande Hiob's entsprechen. Dieser aber bleibt bei der Versicherung seiner Unschuld, klagt über Lieblosigkeit und geht bis zu der Behauptung, daß cs, gerade im Gegensatz zu ihren Reden, dem Frevler beständig wohl gehe. Durch die dunkelste Verzweiflung bricht aber bei ihm in höchst ergreifender Weise ein Sonnenstrahl der Hoffnung auf dereinstige Befreiung und Rechtfertigung. Man hat hierin vielfach ein Aufdämmern des Unsterblichkeitsglaubens gefunden, aber ohne zu bedenken, daß auch nur die Ahnung eines solchen die Grundgedanken und die ganze Oekonomie des Gedichtes vollkommen umgestalten müßte. Dieses Aufleuchten einer Hoffnung in der Verzweiflung ist ein menschlich und poetisch schöner Zug, der durch den Schluß des Gedichtes seine beste Erläuterung erhält.*) Im dritten Gange, Kap. 22 — 26, spricht Eliphas, der Führer der drei, nun offen aus, daß Hiob früher viele grobe Sünden begangen habe, und fordert ihn zur Umkehr auf. Hiob vertheidigt seine Schuldlosigkeit "und behauptet, daß Gott Glück und Unglück ohne Rücksicht auf die Rechtschaffenheit der Menschen vertheilt. Der zweite Freund, Bildad, spricht noch ganz kurz darüber, daß vor Gott niemand rein sei. Als aber Hiob nun doch nicht nachgibt, aber zeigt, daß er Gottes Größe noch besser kennt und noch schöner schildern kann als sie, verstummen die Freunde. Während in den beiden *) Uebrigens ist die betreffende Stelle außerordentlich schwierig und ihr Text wahrscheinlich stark beschädigt (19, 25 fg.). ersten Gängen jeder Freund je einmal geredet hat, kommt in diesem Zophar gar nicht einmal mehr zu Worte. Nun ist Hiob allein übrig geblieben. Die Hitze des Kampfes hat aufgehört, und in ruhigern Worten spricht er jetzt seine innerste Ueberzeugung aus. Zwei herrliche Reden schließen den menschlichen Streit ab. In der ersten (Kap. 27 und 28) gesteht er ein, daß das Unglück des Gottlosen allerdings die Regel sei, aber ebenso fest hält er an seiner Unschuld und erklärt, daß Gottes Weisheit, welche diese Gegensätze angeordnet, dem Menschen völlig unbegreiflich sei. In der zweiten Rede (Kap. 20—61) gibt er durch die ausführliche Schilderung seines früher» Glücks und seines jetzigen Elends einen ergreifenden Gegensatz. Nachdrücklich und ins einzelne gehend, betheuert er noch einmal, daß er sich von aller Sünde fern gehalten habe, und spricht seine Sehnsucht nach Rechtfertigung durch Gott aus. *) Dieser Wunsch wird ihm gewährt. Gott erscheint (Kap. 38 fg.) in der Wetterwolke und stellt Hiob zur Rede. In glänzender Schilderung erscheint Gottes Weisheit, welche die ganze Welt mit allem Hohen und Wunderbaren darin lenkt, ohne daß der Mensch auch nur den kleinsten Theil dieser Weisheit.zu fassen vermöchte. Wie thöricht muß es da scheinen, wenn ein solcher Mensch mit Gott hadern, von ihm sein Recht fordern will! Dies erkennt auch Hiob und bittet ohne Widerrede um Vergebung wegen seines Trotzes. Diese wird ihm zutheil. Run aber wendet sich Gott kurz und scharf gegen die Freunde, welche ihn in so kleinlicher Weise vertheidigt und Hiob ungerecht beschuldigt haben. Nur um Hiob's willen erhalten auch sie Verzeihung. Hiob selbst muß für sie beten. Zum Schluß stellt Gott den Hiob völlig her, gibt ihm allen Besitz doppelt wieder und schenkt ihm so viel Kinder, wie er verloren hat. Einige! *) Das später eingeschobene Stück von Elihu! (Kap. 32—37) lassen wir vorlausig unberück- > sichtigt.

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