Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 468 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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468 Jllustr. Monatsh. für die gef. zum Aeußersten. Eine dramatische Entwickelung ist ganz deutlich; aber ein eigentliches Drama ist „Hiob" nicht. Die Seele des Dramas, die Handlung, fehlt im Haupttheil und wird durch Erzählung in prosaischer Form ersetzt. Eine Aufführung, welche bei einem Drama doch wenigstens denkbar sein muß, wäre beim „Hiob" ganz unmöglich. Wir bezeichnen das Buch Hiob am besten als ein Lehrgedicht in dialogischer Form mit dramatischer Entwickelung. Die prosaische Einleitung (Kap. 1 und 2) erzählt uns, wie Hiob vollkommen unsträflich und dabei von Gott gesegnet war. Als Gott in der himmlischen Rathsversammlung den Satan wohlgefällig auf diesen seinen frommen Knecht hinweist, meint derselbe höhnisch, Hiob habe ja auch allen Grund zur Frömmigkeit, es frage sich aber, ob er auch so bliebe, wenn er ins Elend gestürzt würde. Nun erfolgt mit Gottes Zulassung die erste Prüfung. Alle Habe und selbst seine Kinder werden ihm durch rasch aufeinander folgende Unglücksfälle genommen; Hiob aber bleibt fromm gegen Gott, der ihm das genommen, was er ihm früher gegeben. Nun erhält aber der Satan Erlaubnis;, auch seine Person anzugreifen und nur sein Leben zu schonen. Hiob wird von einer schrecklichen, ebenso schmerzlichen wie ekelhaften Krankheit ergriffen, in der "man seit längerer Zeit die furchtbarste Art des Aussatzes, die Elephantiasis, erkannt hat. Der noch vor kurzem so glückliche und angesehene Mann setzt sich nach Art der Aussätzigen auf einen Aschenhaufen. Auch sein Weib weiß ihm keinen Trost mehr zu geben. Seine drei Freunde, Eliphas von Theman, Zophar von Naema und Bildad von Suah, erscheinen, um ihn zu trösten, aber starr vor Entsetzen über den trostlosen Anblick bleiben sie sieben Tage und Nächte lang weinend und trauernd bei ihm sitzen, ohne ein Wort zu reden. Diese Exposition ist für den Leser nöthig, um ihn von vornherein auf den richtigen Standpunkt zu versetzen. Er weiß die Veranlassung von Hiob's Elend, er weiß, daß dieser selbst durch- Jnteressen des Judenthums. aus unschuldig ist, während die handelnden Personen den ganzen Zustand nur vom menschlichen Standpunkt aus ansehen können, ohne einen Blick hinter den Vorhang oer himmlischen Geheimnisse geworfen zu haben, wie der Leser. Nun beginnt das eigentliche Gedicht. Die drei Freunde vertreten den alten groben Vergeltungsglauben und lassen sich dadurch zur Lieblosigkeit im Urtheil hinreißeu. Sie stehen gewissermaßen als Advocaten Gottes da, dessen Gerechtigkeit sie durch die Annahme rechtfertigen zu müssen glauben, daß Hiob's Leiden die Strafe früherer Sünden seien. Diese Behauptung weist Hiob mit Recht zurück und vertheidigt seine Schuldlosigkeit siegreich, sodaß die Freunde schließlich' schweigen müssen. Gibt er auch hier und da zu, daß er nicht ganz ohne Sünde sei, so behauptet er doch mit gutem Grunde, daß seine Leiden in gar keinem Verhältnis; zu seinen Sünden stehen. So weit hat er recht. Aber im Kampfe gegen die Freunde und in der durch das Uebermaß der Leiden hervorgerufenen Verzweiflung geht er gegen Gott selbst zu weit, indem er mit stürmischen Worten sein Recht fordert und über Unrecht klagt. Doch schon im Verlaufe der Gespräche kämpft er sich zu höherer Einsicht durch, und als er die Gegner besiegt hat, ist er schon der Lösung nahe gekommen, die durch Gottes Erscheinen ganz klar dargelegt wird. In den herrlichen Wechselreden ist der Fortschritt nur langsam, da jeder Theil seine Anschauungen ausführlich darlegt und ihnen einen immer verschärfter» Ausdruck gibt. Dreimal beginnt der Dialog aufs neue, bis endlich Hiob allein auf dem Kampfplatz bleibt. Der erste und längste Gang des Streites umfaßt Kap. Z—14. Hiob bricht das Schweigen mit wilden Klagen, in denen er seine Sehnsucht nach der Vernichtung ausspricht. Die drei Freunde stellen ihm nacheinander vor, daß Gott keinen Unschuldigen straft und den Bekehrten wieder segnet. Sie sprechen es nicht offen aus, daß Hiob sein Leiden durch schwere Schuld verdient