Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 451 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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451 Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1744. lancli rna. non ostanto Io eiroostanTS in olle si trova HN68ta. krineixeZsu xer Io Onali §li eonvieno cli aver vei'8o loro non pieoioli riAuaucli, non ne Im tainxoeo satta vernnu oornninnioomone, il elle mi e toeouto äi 86ntir cli ineclesiini elle risultato cli poeo loro tziuäo, ^a-rencloAli clle niente uvredbe xeräuto cl'ella sna äibnitir. 86 in hnalelie nniniera ave886 8ua Nae8tü aeeennato olle non errrno 8tati inutili 1e reo eomanclamone cke' loro Lovrrrni. iVIa il üitto e elie ^nebla. e nnu 1'rineix6885i olle xer ciuanto 8iu utsal)ile e rioolinu äi ottirne e .tz'entili88inie ninniere, 8ente la. 8ua §ra.ncle^a et e Aelo8i88iinn cleila pro^rw. . autoritri." Die letzten Worte bezeichnen genau die Situation. Die Kaiserin mochte wol ihr Unrecht in manchen Momenten eingesehen haben, aber sie war zu eifersüchtig darauf, ihre Hoheitsrechte zu wahren, als daß sie in dieser rein innern Angelegenheit der Pression der fremden Mächte Hütte folgen sollen. Wir haben übrigens in unfern „Studien zur Jubelfeier der wiener Universität" nachgewiesen, daß diese streng katholische fromme Kaiserin ihre Autorität in eifersüchtiger Weise selbst gegenüber der katholischen Kirche und deren Stellvertreter auf Erden wahrte. Möglicherweise war in dem gegebenen Fall ein Psychologischer Grund vorhanden, den wir bereits angedeutet haben. Die Kaiserin, die von außen so. sehr bedrängt war, suchte nach innen einen Druck auszuüben; er traf die wehrlosen Juden. Mit dem zuletzt angeführten Bericht schließen die Mittheilungen über die Intervention der fremden Mächte in dieser Angelegenheit. Nachdem die fremden Mächte gesehen hatten, daß ihre 5on8 eon8eil8 ohne Erfolg blieben, und sie nicht gewillt waren, mit Waffengewalt für die Rechte der Juden einzustehen, so gaben sie es aus, ferner ihre guten Rathfchläge zu ertheilen. Aus den angeführten Mittheilungen ergibt sich jedoch, daß nicht die Intervention der fremden Mächte, sosehr man im Interesse der Menschlichkeit derselben ein dankbares Angedenken bewahren wird, die Wiederaufnahme der Juden bewirkte. Die Gründe, warum man schließlich die Juden wieder nach Prag kommen ließ, lagen zunächst in der alten Fabel des Menenius Agrippa von den Gliedern des Leibes, die mit dem Magen haderten. Man fand es endlich heraus, daß die Juden, selbst wenn sie blos der consumirende Theil wären, nichtsdestoweniger der Stadt und dem Lande großen Nutzen gewähren. Diesem Argument gegenüber konnte man sich zu einer Zeit, wo man infolge des Kriegs des Geldes so sehr bedurfte, zuletzt nicht ganz verschließen. Die Juden waren aber nicht blos der consumirende Theil der Bevölkerung, sie waren auch productiv. Sie haben durch ihren Handel mannichfach genützt; sie leiteten den Geldstrom vom Auslande nach dem Kaiserstaat. Sie legten Fabriken an und beschäftigten viele Arbeiter und hoben dadurch die Industrie. Man mußte nicht blos mit Blindheit, sondern auch mit Blödheit geschlagen sein, um nicht zur Einsicht zu gelangen, daß man durch diese Ausweisung nicht blos die Juden aufs härteste schädige, sondern sich selbst ins Fleisch schnitt. Es gehört heute keine besondere wissenschaftliche Begabung dazu, um derartige Misgriffe sofort zu erkennen. Ohne eingehende nationalökonomische Studien gemacht zu haben, bei etwas gesundem Menschenverstände erkennt man sofort das Schädliche derartiger Maßregeln. Ist doch die neue Finanzgebarung in Oesterreich bemüht, soviel als möglich fremde Kapitalien ins Land zu locken, und geht man damit um, der ausländischen Industrie weitaus die Pforten Oesterreichs zu öffnen, wobei möglicherweise die heimische Industrie längere Zeit zu leiden haben wird. Heute wird niemand daran denken, das Kapital und die Arbeitskraft aus dem Lande zu schaffen und zu vertreiben. Worüber man sich wundern muß, ist, daß man vor einem Jahrhundert noch durch bittere Erfahrungen erst darüber belehrt werden mußte. Doch der Haß ist ebenso blind wie die Liebe, und der Religionsfanatismus hat der Welt mehr Unheil gebracht, als der wahre Glaube Seligkeit und Zufriedenheit verbreitet hat. Wir glaubten schon jetzt diese Bemerkungen machen zu sollen, obschon wir noch nicht von einer erfreulichen Wendung der Verhältnisse zu berichten haben. Die Zustände wurden jedoch von Tag zu Tag mehr unerträglich und drängten zur Entscheidung. Am 11. Aug. 1746 sah sich die Statthalterei von Prag wieder genöthigt, zu Gunsten der Juden im Interesse des Staats zu interveniren. Indem wir die Eingabe später vollständig werden folgen kaffen, wollen wir hier einige Punkte derselben näher berühren. Sie weist eingangs auf die prompte Ausführung des kaiserlichen Befehls, daß die Kranken von Prag weggeschasft werden sollen, hin, und zwar wurde dieses noch vor dem Ablauf des Termins bewerkstelligt. Sie hält sich jedoch in ihrem Gewissen verpflichtet, wiederholentlich daraus hinzuweisen, daß durch die Abschaffung der Juden das allgemeine Wohl gefchwächt und die Individuen offenbar benachtheiligt und unwiederbringlich beschädigt wurden. Ohne weiteres Gewicht daraus legen zu wollen, gibt sie einen kurzen historischen Verlauf, „daß die Juden in Prag den Christen im Jahre 995 gegen die Heiden beigestanden seien, daß ferner die Juden nach einem Landtagsbesch lusse vom Jahre 1501 bei der Cron Böheimb ohne alle Verfolgung und Vertreibung zu ewigen Zeiten geduldet werden sollen." Diese Privilegien wurden von den Königen in Böhmen und nachher von den österreichischen Kaisern bestätigt. Kaiser Fer- 29*