Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 449 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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449 Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1744. Leute, Lästerer und Verleumder, die ihre Glaubensbrüder bei Nichtjuden denuncirten, und möglicherweise haben diese Sünder das harte Geschick herbeigeführt, das die Juden getroffen hat." Er beruft sich darauf, daß er diese Sünden mancher Prager Juden in seinen gottesdienstlichen Vorträgen, die er zu Prag gehalten, öfters gerügt habe, wie ihm dieses mehrere seiner jetzigen Zuhörer, die damals in Prag waren, bezeugen werden. Wir glauben nicht daran, daß die Kaiserin aus obigen Gründen die Juden vertrieben habe. Obwol wir die gerügten Laster nicht beschönigen wollen, so mögen wol die damaligen Christen in Prag auch keine Muster von Tugend gewesen sein, und sosehr wir das Denunciantenwesen aus voller Seele Haffen und verabscheuen und dieses Laster bei den Juden um so mehr verdammen, weil es schon so viel Unheil über sie gebracht hat (die alten Weisen lassen Moses in Aegypten sprechen, als er Delatoren sah: „Das Volk ist der Erlösung nicht Werth"); so meinen wir, daß dieses doch nicht den Ausschlag gab. Wir wollten jedoch dieses Moment nicht gänzlich unberücksichtigt lassen. *) So viel nachträglich über die Ursachen, welche die Ausweisung veranlaßt haben sollen. Wir wollen uns nun die Ursachen der schließlichen Rückkehr der Juden nach Prag klar machen. Wir müssen vor allem dabei des Einflusses der auswärtigen Mächte gedenken, der sich anfänglich geltend machen wollte, aber nicht durchzudringen im Stande war, da die Kaiserin die Ausweisung als eine rein innere Angelegenheit des Staats betrachtete, bei welcher sie durchaus keiner auswärtigen Macht irgendeine Einsprache gestatten wollte.**) *) Wir müssen hier bezüglich Jonathan Eibenschütz' nachträglich erwähnen, daß nach einer Mittheilung des seligen 1>r. B. Beer die metzer Judenschast beim französischen Heerführer für Jonathan freies Geleite zur Abreise von Prag nach Metz erwirkte. Neber die Nachkommen Jonathan'S und über den falschen Baron v. Adlersthal vergl. den sehr interessanten Aufsatz: „Duiclotb b'ne üonatluui" von Or. B.Veer in Bondi's hebräischer „Okro- Ltomritliio". Wir wollen hier als Curiosum aus dem Adelsbriefe, welcher Jonas Wolf vom Kaiser Joseph ertheilt wurde (17. Juli 177b), die angeblichen Merita hervorheben. „Wenn Uns nun von Unserm und des Reiches lieben Getreuen Jonas v. Wolf allerunterthänigst vorgetragen, was maßen seine Bor- und Eltern in den Holsteinischen ansässig waren und durch ihre bekleideten Ehrenstellen und in allen Gelegenheiten erwiesene Treue und Devotion bei weyland Unfern glorwürdigsten Vorfahren am Reich röm. Kaysern in dem h. röm. Reich sich so wol verdient zu machen nach äußersten Kräften beflissen gewesen, voruämlich aber er selbsten sich von Jugend auf angewenvet, seiner Vor- und Eltern löblichen Thaten nachzuahmen, auch durch Erbschaft und andere glückliche Vorfälle nahmhafte Mitteln zusammengebracht und in wachsen ein adeliches Gut, Priesnitz genannt, gekauft habe, auch deren noch mehrere in dortig oder andern deutschen Lausen zu erkauffen gesonnen sey. Uns dannenhero allerunterthünigst bittend. Wir Ihn in des Heil. Röm. Reichs Freiherrnstand mit dem Prüdicat von Adlersthal allergnädigst zu erheben geruheten, welch allerhöchste Gnade Er mit allergehorsamsten Dank bis in seine Grube zu verehren erbietig seye, wie errauch ein solches thun kann, mag und soll." **) Ich sehe mich genöthigt, mich bei dieser Gelegenheit zu berichtigen. Ich schrieb (Ben Chananja, 1862, S. 274): „Bezüglich der Verwendung der holländischen und englischen Regierung muß ich bemerken, daß im hie- Hilberg's Jllustrirte Monatshefte. II, 6. — März 1866. In einer Depesche des venetianischen Gesandten vom 2. Jan. 1745 berichtet derselbe über die Ausweisung der Juden aus Prag i» Zpeeie und aus Böhmen und Mähren in Z'6uei'6 und skizzirt das betreffende Decret. Er weist sofort auf den Schaden hin, der durch diese Ausweisung für das Reich entstehen wird. Die Kaiserin sei jedoch bis jetzt unerbittlich gewesen. Er erzählt, daß viele Juden sich dem Feinde geneigt zeigten, meint aber, es wäre besser gewesen, die Schuldigen zu bestrafen, als über alle Juden ohne Rücksicht auf ihre Schuld oder Unschuld eine derartige harte Züchtigung zu verhängen. Wir wiederholen es, wir halten nicht die Juden für Halbgötter, aber es bleibt immer höchst auffallend, daß man nicht dem einen oder dem andern Juden, der im Verdacht stand dem Feinde in irgendeiner Weise Vorschub geleistet zu haben, den Proceh machte, wie den in politischer Beziehung gravirten Christen bürgerlichen und adelichen Geschlechts, der hohen und niedern Geistlichkeit. Trotz der Feindseligkeit der Kaiserin gegen die Juden glauben wir ihr doch so viel Rechtsgefühl Zutrauen zu sollen, daß es ihr angenehmer gewesen wäre, ein entschieden erwiesenes Unrecht zu bestrafen, als den Schein der Ungerechtigkeit auf sich zu laden. Noch mehr, die Juden waren noch in Prag, als die fremden Mächte zu interveniren begannen, warum hat man nicht gegen einzelne den Proceß begonnen, nachdem das Decret bereits erlassen war? Doch lassen wir zunächst den Bericht folgen: „Ü.68U8i irattanto non 8olo nsU' ultima 0660810116 cke' 811666881 dcrlla Lo6inia nia Ntzlla xr666ä6ut6 ri88ai 0886rvadil6 1a oonckotta ckoo-li 4U>r6i. Da U,6ouria üa 86onato 11 Dooroto dolla loro 68pul8iou6 clalla Oitta cli Ura^a 6 da csU6l U6AN0. Kol 111686 60rr6Ilt6 ä6V0N0 a11oQtaiiar8i dalla xrima, 6 per csuello di OiiiAno dal U>6§iio 86112a potor pa88ar66 d'aliitar no' 8tati Nroditari. Da 6u> 31 prote88a 6Ü6 esU68ta Uiin6ix6886 av6va l'amiua kaiserlichen Hauses sich kein derartiges Doeument vorsindet." Ich hatte nämlich damals Herrn Direetor Hosrath v. Erb und Herrn Archivar v. Meiüer ersucht, die betreffenden Gesandtschastsbericl^e aushebe^ zu lassen, und ernisse und*'fand nichts. Als^ich in letzier^Zeit daran ging, diese Arbeit zu unternehmen, ersuchte ich nochmals, Recherchen zu machen, und die genannten Herren, welche stets mit außerordentlicher Freundlichkeit meine Forschungen unterstützen, ließen neuerdings eine genaue Musterung unter den Depeschen der Gesandten aus jener (Zeit vornehmen, in den Niederlanden, Baron v. Reischach, die wir später mittheilen werden, vor. Wir sprachen auch über diesen Gegenstand mit dem Herrn Vicedirector des genannten Archivs, RegierungSrath Ritter v. Arneth, dessen Werke über die ersten Regierungsjahre der Kaiserin Maria Theresia rühmlichst bekannt sind. Dieser hatte die Güte, die Excerpte und Notizen, die er sich für die Fortsetzung seines Werkes aus den Depeschen der venetianischen Gesandten, die bekanntlich eine große Fundgrube für Geschichtsforschung sind, gemacht, uns mit außerordentlicher Freundlichkeit anzubieten und zur Verfügung zu steilen, wofür wir ihm hiermit den besten Dank sagen, und darf er wol auch des Dankes unserer Leser sicher sein. 29