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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 447

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 447 (sequence 47)
Language
German
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447 Die Vertreibung der Juden aus Böhmen im Jahre 1744. Weise meinen Dank aussprechen. Ich wählte dafür diese Form, und der Dichter, dem diese Blätter gelten, wird am-besten selbst beurtheilen, ob die Liebe und Theilnahme für meinen Gegenstand mir in die Arbeit übergegangen oder nicht. Die NertmbMT -er Men :»>Z Höhmen im Ichre MIN und deren Miedernnlnnhme im Klm .MS. Von G. Wolf. (Schluß.) lll. Je länger dieses Provisorium dauerte, desto unheilvoller wurde es, und kann man es überhaupt als Beweis ansehen, wie groß die menschliche Expansionskraft ist, wenn ein derartig elender Zustand so lange dauern konnte. Wir müssen jedoch bei dieser Gelegenheit auf eine Eigentümlichkeit der Juden aufmerksam machen. Die Juden sind ein Wandervolk. Die Patriarchen waren Nomaden und ihre Nachkommen haben die Eigentümlichkeit des Wanderns beibehalten. Nichtsdestoweniger aber kleben sie an der Scholle wie kein anderes Volk und gewinnen bald den Boden lieb, auf welchem sie sich heimisch gemacht. Wir erinnern daran, daß das israelitische Volk während des Wanderzuges durch die Wüste öfters wünschte nach Aegypten, nach dem „eisernen Schmelzofen", zurückzukehren. Sie hegten diesen Wunsch aber nicht blos, weil sie sich nach den Fleischtöpfen sehnten u. s. w. Moses gab das Gesetz (Deuteron. 17, 16): „Nur soll er (der König) nicht viel Pferde haben, damit er nicht das Volk nach Aegypten zurückführe, um viel Pferde zu haben." Der Wunsch nach Aegypten zurückzukehren war also nicht blos die Folge eines momentanen Gelüstes oder einer momentan bedrängten Lage, wie zur Zeit, als die Israeliten am Nöthen Meere standen, oder als sie nach dem Bericht der Kundschafter die Eroberung Kanaans für eine Unmöglichkeit hielten. In der That finden wir die treue Anhänglichkeit der Juden an Aegypten auch in späterer Zeit sich wiederholentlich bewähren. Als das Reich Juda nahe dem Untergang war, zogen viele Juden nach Aegypten und ließen sich daselbst nieder. Der Prophet Jeremias richtet zweimal sein Wort an sie (Jerem., Kap. 43, 8. u. 44). Es ist bekannt, daß zu den Zeiten der Kämpfe der Makkabäer, wo der Gottesdienst im Heiligthume zu Jerusalem unterbrochen wurde, der Priester Onias mit Bewilligung der Königin Kleopatra (beiläufig 160 v. d. G. Z.) einen Tempel zu Heliopolis in Aegypten errichtete, indem er sich auf die Weissagung des Propheten Jesaias (10, 20) > berief. Längere Zeit wurden in diesem Tempel wie in dem Heiligthum zu Jerusalem Opfer dargebracht. „Das Wunderland des Nil, das einst die Leidensschule des israelitischen Volks und die Wiege des Judenthums war, wurde in diesen: Zeitraum für die jüdische Nation die Schule der Weisheit", sagt Graz (Geschichte, lll. Bd.). Wer weiß nicht von den Juden in Alexandrien und ihrer riesigen Synagoge (Proseuche) daselbst in späterer Zeit ( Eine ähnliche Erscheinung finden wir bei einem großen The-L der Juden, welche im Babylonischen Exil lebten. Mit welchem Heldenmut!) verteidigten die Juden ihr Vaterland gegen NebukadnezarN Wie setzten sie den letzten Rest ihrer Kraft zur Schirmung Jerusalems und des Heiligthums ein! Der Prophet Jeremias klagt: „Sie liegen zur Erde auf den Straßen jung und alt: meine Jünglinge und meine Jungfrauen sind durchs Schwert gefallen. Es schwinden unter Thränen meine Augen, es brennen mir die Eingeweide, es ergießt sich zur Erde mein Leben, ob den: Sturz der Tochter meines Volks. Das Kind und der Säugling verschmachten in den Straßen der Stadt. Die Hände zärtlicher Frauen kochten ihre Kinder, zur Labung dienten sie ihnen in dem Elend der Tochter meines Volks." Ein in Babylon lebender Psalmist betheuerte: „So ich dein, Jerusalem, vergesse, so vergesse ich meine Rechte. Es klebe mir die Junge am Gaumen, so ich dein nicht gedenke, so ich Jerusalem nicht erhebe zum Gipfel meiner Freude." In feinen: Unmut!) läßt er sich zu dem Wunsch Hinreißen: „Heil dem, der dir vergilt Deine That, die du gegen uns verübt. Heil dem, der da faßt und zerschmettert deine jungen Kinder an den Fels." Der Prophet Ezechiel sucht das Volk über seine Klagen, daß es im Erst! leben müsse, zu beruhigen und spricht zu demselben tröstend, daß das Sprichwort: „Die Väter essen die säuern Trauben und den Kindern werde:: die Zähne stumpf", nicht mehr gemacht werden soll. Er erzählt den: Volk die große Vision, daß ihn Gott hinausführte in eine Ebene, die voll von Gebeinen war, und Gott sprach: „Diese Knochen sind das ganze Haus Israel. Sie sagen: Vertrocknet sind unsere Knochen, verloren ist unsere Hoffnung, es ist aus und zu Ende mit uns. Darum weissage und sprich zu ihnen: Also spricht Gott: Siehe, ich öffne eure Gräber und lasse euch heraussteigen aus euern Gräbern, mein Volk, und führe euch auf den Boden Israels." Trotz dieser glühendheißen Liebe für das Heilige Land finden wir nichtsdestoweniger, daß, als Eyrus den Juden die Rückkehr nach Palästina gestattete, ein großer Theil derselben in Babylon, wo sie sich inzwischen heimisch geinacht hatten, zurückblieb. Es ist bekannt, daß in späterer Zeit Babylon als ein zweites Palästina betrachtet wurde, und erinnern wir daran, daß der babylonische Talmud einen größern Werth und eine höhere Bedeu-

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