Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 446 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2417805-2417813-2417819--968-2418813- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
446 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. ausländische Werk, das in mehreren Hundert Exemplaren den Soldaten nach der Krim geschickt wurde. Es ist nun an der Zeit, zu einer Seite von Auerbach's Thätigkeit zurückzukehren, von der wir früher bei Gelegenheit des „Schatzkästleins" schon gesprochen haben. Der „Gevattersmann" hörte, wie wir wissen, 1848 auf. Es drängte ihn aber, diese Seite seiner literarischen Thä- Ligkeit wieder aufzunehmen, und dies geschah durch die Herausgabe eines „Volkskalenders", welcher mit dem Jahre 1858 begann und bis heutigentags in ungeschwächter Kraft fortgesetzt wird. Die Beilage zur „Allgemeinen Zeitung" (2. Dec. 1858, Nr. 386) begrüßt denselben sowie seinen unmittelbaren Nachfolger (185!)) mit anerkennenden Worten und hebt besonders die kleine Erzählung „Gellert's letzte Weihnachten" (1858) sowie „Friedrich der Große von Schwaben" (1855), womit selbstverständlich Friedrich Schiller gemeint ist, hervor. Mit Recht wird auch aus das Nachtstück „Huzel und Pochel" ganz lebhaft aufmerksam gemacht. — Professor Marbach spricht sich in dem von ihm herausgegebenen „Jahrbuch der Literatur und Kunst" (l858, k. Heft) über Auerbach's „Familienkalender" in begeisterten Worten aus. Er wünscht vor allem Auerbach's „Familienkalender" in jedem Hause; dann zeigt er, wie ein Kalender für die Familie aussehen müsse und, indem er bei Auerbach die von ihm gewünschten Bedingungen findet, sagt er: „In seinem jetzt vorliegenden <-Familienkalender» aber hat er sich durchaus auf dem Standpunkte gehalten, welcher der allein seiner, des Dichters, würdige ist. Denn Auerbach ist ein Dichter, ein wahrhaftiger Dichter, wie es wenige gibt, zumal in unserer Zeit; kein großer Verskünftler, sondern ein zartfühlender, tiefsinniger, edler und liebevoller Mensch, dem seine Schriftstellerei nicht ein Mittel zum Zweck ist, sondern Selbstzweck und heiliger sittlicher Ernst." Der Wunsch, den Prof. Marbach an den Schluß seines Aufsatzes stellt, daß nämlich noch viele Jahrgänge folgen mögen, hat sich erfüllt. Ein sehr eingehender Artikel über den „Volkskalender" ist enthalten in den „Preußischen Jahrbüchern" ( 7. Bd., 1. Heft, Jan. 1864). Hierin heißt es: „Auerbach's Tendenz ist aus seinen andern Dichtungen genügend bekannt. Mit poetischem Sanguinismus und liebenswürdigem Glauben an die Güte der Meuschennatur vertritt er die höchsten Reformforderungen. Er verlangt für das Individuum eine rein humane Sittlichkeit, für den Staat die Betheiligung des Einzelnen am öffentlichen ^eben nicht blos als politisches Recht, sondern auch als sittliche Pflicht. Er haßt alles zudringliche Bevormunden des Volks, er tritt für den Gedanken der nationalen Einheit ein u. s. w. Für diese seine Ideen nun wirkt Auerbach mit dem meisten Glück zunächst in dem ganzen Genre seiner Kalenderartikel, welche das Didaktische und Paränetische ganz unumwunden oder nur in ganz leichter dichterischer Einkleidung verfolgen" u. s. w. Wenn es erlaubt ist, sich selbst zu citiren, so erinnern wir hier auch an eine Besprechung des jüngst erschienenen Kalenders von Auerbach, welche ich ungefähr October 1865 in der „Neuen freien Presse" (Wien) abgegeben habe. lieber den neuesten Roman Auerbach's „Auf der Höhe", der bereits in zweiter Auflage erschienen, citire ich nur ein kurzes Wort, welches aber schwerer wiegt als manch langer Artikel; denn es rührt her von Theodor Friedrich Bischer und lautet dahin, daß er das Buch mit ästhetischer und sittlicher Befriedigung aus der Hand gelegt habe. Gern wären wir auf manche der genannten Werke näher eingegangen, aber wir haben manches Wort zurückhalten müssen, da wir durch den Raum beschränkt sind. Erwähnt sei nur, daß Auerbach, dessen Vorlesung „Goethe und die Erzählungskunst" gewiß jedermann mit Vergnügen und Nutzen gelesen hat, in neuerer Zeit eine ähnliche, aus einem Vortrag entstandene Studie über „Paul und Virginie" veröffentlichte, von der wir ebenfalls nur sagen können, daß wir sie jedermann zu lesen empfehlen. Es ist bei Auerbach niemals ein abstractes Theoretisiren, sondern die Darlegung der Kunstgesetze an einem lebendigen Organismus, entsprungen aus einem künstlerisch Lhätigen Vermögen. Berthold Auerbach's Schriften sind bereits gesammelt und in zweiter Auflage erschienen. Unter den gesammelten Schriften fehlen manche, so z. B. auch „Der Wahrspruch", eine dramatische Arbeit, die mit Recht wegblieb, die aber gewiß eine gute Erzählung geworden wäre. Auch sind seine Schriften größtentheilsin alle lebenden Sprachen übersetzt, ins Französische und Englische ja sogar mehrfach; aber auch ins Russische, Polnische, Holländische, Ungarische, Damsche, Schwedische, Italienische, und besonders bemerkenswert!) erscheint uns, daß, als man vor kurzem den Versuch machte, auch das Norwegische zur Schriftsprache zu bilden, die Erzählung Berthold Auerbach's: „Der Lehnhold" unter dem Titel: „Ktorllonckan <>o- Koner" von Oestgard in Ehristiania als zweites Buch in norwegischer Sprache erschien. Wir wären in der Lage, ein vollständiges Verzeichnis; der verschiedenen Uebersetzungen der Auerbach'schen Werke zu geben, allein wir würden den uns gewährten Raum hiermit überschreiten müssen. Auf Vollständigkeit macht gegenwärtige Studie keinen Anspruch, sie hat ihren Zweck erreicht, wenn sie den vielfachen Freunden der Muse Auerbach's hier und da einige nicht unnütze Fingerzeige gegeben hat. Mir selbst hat die Beschäftigung mit Auerbach's Werken ein unsagbares Vergnügen gewährt; gern wollte ich dem Manne, der mir so viele Stunden der Erhebung und des reinsten Kunstgenusses bereitet, auf irgendeine