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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 444

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 444 (sequence 44)
Language
German
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444 Jllustr. Monatsh. für die ges. Interessen des Judenthums. wo man von der Existenz einer Birch-Peiffer nichts mehr wissen wird. Gleichzeitig mit der „Frau Professorin" erschien auch jene, oben schon genannte, das Andenken Peter Hebel's zierende Abhandlung: „Schrift und Volk", vr. SLeeger sagt: „In diesem Buche gibt er (Auerbach) gewissermaßen von seinen eigenen Productionen Rechenschaft. . .. Man nimmt die Aesthetik abstract, man gibt allgemeine Regeln, mit denen für die Beurtheilung des einzelnen Dichters wenig gewonnen ist. Warum gibt man uns nicht eine Aesthetik Goethe's, Schiller's, Shakspeare's? Dies ist es, was Auerbach will, die Vortheile eines solchen Verfahrens zeigt uns sein Buch, das aus einer Charakteristik Hebel's, und an diese anschließend die Grundzüge der deutschen volksthümlichen Literatur entwickelt." Die Beilage zur „Allgemeinen Zeitung" vom 29. Nov. 1846, Nr. 333, enthält ebenfalls einen sehr gut ausgeführten Artikel über das in Rede stehende Buch. Der Verfasser sagt darin: „Es könnte ausfallen, daß einer, der als Dichter und Volksschriftsteller noch in der Periode der lebendigsten und reichsten Production steht, überhaupt und schon jetzt ein theoretisches Werk schreibt, worin er gewissermaßen von seinem eigenen Produciren Rechenschaft gibt. Aber Auerbach's frühere wissenschaftliche Richtung macht sich auch jetzt, wo er als Dichter und Volksschriftsteller einen festen Boden gewonnen hat, fortwährend so geltend, das; er sich über sein Dichten und Wirken theoretisch klar zu werden strebt; seine rege Theilnahme an den Bewegungen der Zeit nöthigt ihn, seine Productionen stets mit allen übrigen Lebensbeziehungen zu vergleichen, und daraus erklärt sich die Entstehung dieses Buchs." — „Wer nicht selbst auf solche Weise (wie Hebel, an den angeknüpft ist) producirt, würde die genetische Entwickelung der Volksschrift schwerlich auf solche Weise klar machen können." Jene norddeutsche Wanderung Auerbach's, deren wir früher gedachten, endete vorläufig in Breslau, wo er die Bekanntschaft seiner ersten Frau machte. Mit ihr ging er nach dem Süden, verweilte längere Zeit in Heidelberg, kehrte aber in der Revolutionszeit nach Breslau zurück. Nun trafen ihn manche häusliche Leiden, dann erfolgte die Krankheit und der Tod seiner Frau, und diese Umstände erregten in ihm begreiflicherweise eine Stimmung, in der er sich von der Welt zurückzuziehen für das geratenste hielt; nur als der „Panslawismus" sein Haupt erhob, da trat Auerbach aus seinem Einsiedlerthum heraus und kämpfte siegreich in Volksvereinen gegen denselben. Eine Reise nach dem Süden wurde wieder unternommen und in der verhängnisvollsten Periode kam er nach Wien. Sein „Tagebuch aus Wien, von Latour bis auf Windischgrätz" enthält Enthüllungen aus jener Zeit. Hier war es, wo er den Plan faßte, „Andreas Hofer" dramatisch zu bearbeiten. Man wird sich kaum Wundern, wenn wir sagen, daß Auerbach den Stoff nicht zu bewältigen vermocht. Im Jahre 1850 (und in 2. Auflage 1851) erschienen die „Deutschen Abende", jene philosophischen Novellen, von welchen wir früher schon gesprochen haben, aber um einige neue Stücke bereichert, wie „Des Waldschützen Sohn", „Der Heigerlex". In einem Dorfe des Harzes einsiedlerisch hausend, schrieb erden Roman „Neues Leben". Wir müssen hier der weitern Entwickelung einen Augenblick vorgreifen. Als im Jahre 1862 die russische Negierung und in deren Auftrag Staatsrath von Tannejef ein neues Unterrichtsgesetz ausarbeitete, wurde dasselbe vom Ministerium der Volksaufklärung im Entwurf auch namhaften deutschen Gelehrten und Volksfreunden zur Begutachtung übersendet. Nebst Robert Mohl, Diesterweg, Roscher u. a. wurde der Entwurf zu diesem Behuf auch Berthold Auerbach übersendet. Man konnte von dem Verfasser von „Neues Leben" und seiner oft an den Tag gelegten pädagogischen Einsicht eine besondere Constituirung namentlich der Volksschule erwarten. Die von Berthold Auerbach gewünschten Organisationen sind seitdem in der officiellen Publication des Ministeriums der Aufklärung in russischer Sprache erschienen; außerdem hatte aber Berthold Auerbach eine besondere Denkschrift ausgefertigt, betitelt „Die Soldatenschule in Rußland als Schule für Gemeindebeamte" („Russische Revue, von Wilhelm Wolfsohn", Januar 1864, 3. Bd., 1. Hst.). Auerbach erhielt den russischen St.-Annen-Orden; man darf aber wol die Hoffnung hegen, daß seine Arbeit noch einen andern Erfolg für die Cultur des russischen Reichs haben werde. Berthold Auerbach steht in besonderer Beziehung zu der hochsinnigen Großfürstin Helene von Rußland, einer Landsmännin von ihm, da sie eine geborene Prinzessin von Würtemberg ist. „Neues Leben" steht zu den Dorfgeschichten in dem Verhältniß, daß es die Zustände nach der Revolution zum Vorwurf nimmt, während diese die Zustände vor derselben charakterisiren. Auerbach übersiedelte später nach Dresden und lebt seit einigen Jahren in Berlin. Im Jahre 1856 erschien „Barsüßele", im Jahre 1861 erschienen „Joseph im Schnee" und „Edelweiß". Er ist in zweiter Ehe verheirathet und erfreut sich des Vatersegens. lieber „Barfüßele" liegt uns ein Aufsatz vor („Frankfurter Museum", 20. Juni 1857, 3. Jahrg., Nr. 25), Lg. B .. s unterzeichnet, aus welchem wir nur weniges hervorheben wollen, um damit auf eine häufig aufgeworfene Frage, nämlich über die Eintönigkeit des Stoffes, Antwort zu geben. Der Verfasser des Artikels sagt: „Es mochte fast unmöglich scheinen, auf dem Gebiet der Dorfgeschichte Neues zu schaffen und dabei 'anziehend und warm und wahr zu bleiben, und viele meinten, daß die Sträflinge, der Lehnhold, Brosi

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