Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 442 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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442 Jllustr. Monatsh. für die ges. xion blasirte Haus, die ländliche Familie mit ihren Leiden und Freuden zum Gegenstände seiner Studien und Darstellungen macht, der ist auch nicht an einen exclusiven, die Bücher mit den Moden rasch wechselnden Leserkreis gewiesen. Herr F. W. Thomas in Philadelphia rühmt sich, von seiner Ausgabe der Dorfgeschichten viele Tausend Exemplare abgesetzt zu haben." Ferner erfahren wir aus dem Artikel, daß die Dorfgeschichten vom Prof. Whewell in Cambridge flU-ml-^Wicken- <>s 4'rinilV-EoUt'.oo) ins Englische übersetzt wurden. Eine vollständige Übersetzung lieferte Meta Taylor. In Frankreich sind die Dorfgeschichten der Hachette'schen (it-8 EIwmi'iw cko L'or einverleibt; außerdem erschienen in Belgien und in der Schweiz zwei vortreffliche Übersetzungen der ,,('orrto8 Vilda ln b'orät-noire". Auch eine vlämische Uebertragung erschien in Belgier: und in Deventer eine holländische Uebersetzung; nicht minder erschienen Uebertragunger: in Schwede:: und Dänemark. Die beste, dem Original am nächsten stehende französische Uebersetzung hat Herr Alphonse Leroy in Lüttich geliefert. In einem schweizer Blatte der damaligen Zeit findet sich mit Bezug auf eine Stelle irr den Dorfgeschichten ein sehr liebliches, den Charakter derselben abspiegelndes Gedicht: ,,An B. Auerbach", vor: Marc Monnier; der vor nicht langer Zeit verstorbene Wilhelm Woljsohn hat dasselbe aus dem Französischen ins Deutsche übertragen, und wir lassen hier die Wolfsohn'sche Bearbeitung folgen: An Berthold Auerbach. In einem Lied, ir: einer Scene, Ergriff uns plötzlich oft ein Laut, Daß uns der Mitempfindung Thräne Aus liebersültter Seele Lhaut. Und trotz der Menge Widerstreite):, Wie wird uns jener Dichter da So lieb, so Werth für alle Zeiten Und wie ein treuer Bruder nah! Irr: Schwarzwald war's, beim Morrdenscheine ch, Die Schüler standen ringsumher. Sie prüft der Pfarrer der Gemeine Und fragt: wie Gott zu lieben wär'? „Wie? Lustig!" warf zur Antwort eben Frischweg die muntre Agnes hin: „ Fa, Freude gönnt uns Gott am Leber:, Und lachend lieben darf man ihn!" Der wackre Pfarrer steht betroffen, Nichts zu entgegnen hat er Muth; Doch hält er seine Dose offen Und sagt mit einer Prise: Gut! Dies Wort, das mehr für edle Geister Als manch ein lang' System ergibt, Durchzuckte mich: Dich lieb' ich, Meister, Lustig, wie Agnes Gott geliebt. Bertyold Auerbach's „Dorfgeschichten", 1. Bd., Der Lauterdacher. Interessen des Judenthums. Als Folie zu dieser begeisterten Ansprache wollen wir eine Weile einer andern Stimme Gehör geben, deren Inhaber von Auerbach's Dorfgeschichten minder erbaut ist. Das Urtheil lautet: „Man hat viel Geschrei gemacht mit den Schwarzwälder Geschichten von Auerbach. Es wäre nicht nothwendig gewesen. Auerbach ist kein Schwarzwäldler, er ist ein Jude. Ein Jude wird nämlich niemals ein Schwarzwäldler, selbst wenn seine Vorfahren gleich nach der Zerstörung Jerusalems an den Feldberg oder nach Todtnau gezogen: und sich niedergelassen hätten. Ebendeshalb mag Auerbach immerhin äußere Vorkommnisse auf den: Schwarzwald beschreiben; wenn er aber vor: dem Denken und Fühler: des Schwarzwäldlers reden will, so muß er dieses aus seiner Phantasie nehmen, welche aber keine schwarzwäldler Natur, sondem die eines jüdischer: Literaten hat. Alan hat, so will es mir scheinen, Auerbach besonders da viel gepriesen und gelesen, wo man blos unterhaltende Lektüre wollte und das tägliche Futter, die Nomanenliebeleier: irr: schwarzwälder Barlernvolk neu und pikant fand; auch mag mancher Posaunenbläser des Literaturmarktes den Meister Auerbach deshalb gepriesen haben, weil er das Verdienst hat, kein Christ zu sein. Die Zuchthausgeschichten, welche hier vorliegen, halteich besser als 'Auerbach'sDorfgeschichten." Damit der Leser wisse, vor: was für Geschichten hier die Nede ist, und damit er, falls ersieh zu einer Vergleichung aufgelegt fühlt, in die Lage gesetzt sei, zu vergleichen, setzen wir den Titel des Buches hierher: „Zuchthausgeschichten. Von einem ehemaligen Züchtling. Mit einem Vorwort vor: kW. Alban Stolz, Professor an der Universität zu Freiburg" Münster, Theissingische Buchhandlung, 1^53). Auerbach konnte ein solches Urtheit ruhig über sich ergehen lassen, denn „wer der: Besten seiner Zeit genügt, der hat gelebt für alle Zeiten", und wahrlich, einer der Besten unserer Zeit ist es, Ferdinand Freiligrath nämlich, welcher ir: einen: größern Gedicht das Erscheinen des ersten Bandes der Dorfgeschichten von Auerbach ir: folgender Weise begrüßt: Aus deines Schwarzwalds tannendunkeln Wiesen Mit seiner: Kindern kommst du froh geschritten Und setzest ein das Tuchwamrns und die Flechte In ihre alten dichterischen Rechte! Das ist ein Buch! Ich kann es dir nicht sagen, Wie rnich's gepackt hat recht in tiefer Seele, Wie mir das Herz bei diesen: Blatt geschlagen. Und wie mir jenes zugeschnürt die Kehle! i Wie ich bei dem die Lippen Hab' gebissen, Und wieder dann hellauf Hab' lachen müssen! Das alles aber ist nur dir gelungen:, Weil du dein Werk vorn Leben hießest reifen; Was aus derr: Leber: frisch hervorgesprungen, / Wird wie das Leben selber auch ergreifen