Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 431 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Die alte Synagoge der Juden in Nürnberg. 431 er sich in ihrem Hanse befand, sehen zu können. Seine Sehnsucht, die Frau des alten Amnon nun endlich ohne die häßliche Vermummung zu erblicken, sollte auch alsbald befriedigt werden, denn es dauerte nicht lange, so schritt die schöne Berl die Treppe herab, um selbst ihren Gatten zum Fest abzurufen, weil er so ungewöhnlich lange zögerte. Daß sie dem jungen feurigen Manne reizender vorkam als alle Feen längstvergangener Zeiten, wird man leicht begreiflich finden; ja sogar ihr Anzug, an andern Frauen so entstellend, versetzte unfern jungen Patricier in Entzücken. nommen, streng verwies und ihm nicht undeutlich zu verstehen gab, sie halte ihn für nicht ganz nüchtern, so ließ sich Jmhof durch die Worte, deren ihn die schöne Frau würdigte, doch nicht eines bessern belehren, vielmehr schienen dieselben seine Leidenschaft erst recht zu entflammen. In der Anrede vom „Ihr" zu „Du" übergehend, warf er sich abermals vor ihr nieder und schilderte ihr in den glühendsten Farben die greulichen Qualen, denen sein bedauernswertes Herz zum Opfer gefallen sei, seit er sie zum ersten mal gesehen habe. Berl beantwortete des Junkers Wortschwall nur von Zeit zu Zeit mit einem spöttischen lächeln, Ein nürnberger Indenmeisier aus der- 5trabe. Ein nürnberger Jude zur bgnagoge gehend. Eine nürnberger Jüdin znr bgnagoge gehend. Ihr Kopfputz bestand nach der Vorschrift damaliger Zeit aus einem Turban, der auf der Stirn in eine spitzzulaufende Schnippe endigte, aber an den Seiten des Kopfes wie zwei Schmetterlingsflügel aufgepauscht war; dieser, von einem breiten schwarzen Sammtband unter dem Kinn festgehalten, faßte das sanfte Oval des frischen, jugendlichen Gesichts ein, wieder Sammt die Pfirsich. Das schwarze, in üppigen Locken den schönen Kopf umwallende Haar, die blendendweiße Stirn, die rosigen Wangen und vor allem die wie schwarze Diamanten blitzenden Augen der Jüdin, alles dies, vereinigt mit einer überaus üppigen Gestalt, brachten die Gemüthsverfassung Jmhof's in solche Verwirrung, daß er beinahe unfähig gewesen wäre, der Dame des Hauses zu danken, als sie mit der üblichen kurzen Begrüßung an ihm vorbei in das Zimmer ihres Mannes treten wollte. Aber Jmhof war durchaus nicht geneigt, diese günstige Gelegenheit so unbenutzt vorübergehen zu lassen; er warf sich daher vor der schönen Jüdin wie anbetend nieder und erklärte ihr mit feurigen Worten ohne weiteres seine Liebe, worauf er sie dreist mit den Armen umschlingen wollte, welches Vorhaben auszuführen er nur durch das schnelle Zurücktreten Berl's verhindert wurde. Obwol nun die Frau Amnon's dem Patricier die Freiheit, welche er sich herausge- und als das nicht helfen wollte, fragte sie ihn, ob er sich denn nicht schäme, einer verachteten Jüdin mit Redensarten und Zumuthungen Lästig zu fallen, die eines Patri - ciers jedenfalls nicht würdig seien. Aber Jmhof fuhr nichts destoweniger in seinen Betheuerungen fort, suchte die junge Frau auch gegen ihren bereits so hoch bejahrten Gatten einzunehmen dadurch, daß er ihr denselben lächerlich zu machen trachtete, und hatte sogar die Dreistigkeit, ihr vorzuwerfen, daß sie selbst seine Leidenschaft entzündet habe, denn sie fei stehen geblieben, um ihm nachzusehen, wenn er ihr zufällig auf der Straße begegnet, oder sie habe sich wenigstens nach ihm umgewandt. Die Entrüstung über eine solche Frechheit mußte der jungen Frau natürlich das Blut in die Wangen treiben und ihr momentan die Kraft rauben, dem Patricier seine Unverschämtheit gehörig zu verweisen; dieser aber, das Schweigen und Erröthen Berl's ganz anders auslegend, sprang auf, umfaßte blitzschnell die junge Frau und beugte sich über sie, um ihren frischen, unbefleckten Lippen einen Kuß aufzudrücken. Er wurde ihm aber durch alle möglichen Wendungen verwehrt; als ihm dies aber endlich doch theilweise gelang, entfuhr ihr ein Schrei des Entsetzens, der sowol den alten Amnon als die beiden Patricier in den Vorplatz lockte.