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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 428

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 428 (sequence 28)
Language
German
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428 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. Meistbietenden abgelassen oder verkauft. „Wer kaust Oelilali? wer kauft Oüajiiti? wer kauft HaAdolieü?" mit diesen Worten forderte man die Gläubigen auf, sich um die verschiedenen Dienstleistungen zu bewerben. Wer nun das höchste Gebot that, dem wurde eine dieser Verrichtungen zugewiesen, wobei der Eifer, bei den heiligen Handlungen Hand anzulegen, oft so groß war, daß ein Amt um 10, ja 20 Pfd. Heller losgeschlagen wurde. Das eingezahlte Geld verwandte man zur Unterstützung der Armen und Studirenden sowie zur Verpflegung unbemittelter Kranken. Außer dem Gesetzschrank befand sich noch ein anderer Schrank in der Synagoge, in welchem die Haphtores oder prophetischen Lectionen, auf Kälberpergament geschrieben und . nach Art der heiligen Thora zusammengerollt, aufbewahrt wurden; außerdem waren darin aber auch noch mehrere werthvolle geschriebene Codices auf Pergament, welche ich in einem besondern Artikel beschreiben werde, und unter denen sich besonders ein „hebräischchaldäischer Codex" (zwei Bände, in klein Folio) auszeichnet, aus dem Jahre 1249 n. Chr. Ein anderer biblischer Codex besteht aus sieben großen Foliobänden in gleicher Dicke, enthält das ganze Alte Testament, wurde im Jahre 1291 geschrieben und hat nebst der chaldäischen Uebersetzung die große und kleine Masora, Punkte und Accente. Den berühmten „Machsor", der sich ebenso wie die obenerwähnten Codices noch in Nürnberg befindet, habe ich bereits im 2. Bd., 9. Hst. dieser Monatshefte beschrieben. Was nun die frühere Abhaltung des Gottesdienstes in der Synagoge zu Nürnberg betrifft, so ging es dabei viel weniger geräuschvoll zu als in späten: Zeiten hier und an andern Orten, wofür ich den Grund wol am besten aus dem alten Buche -12 27, 1?o1. 56, Ool. 3, anführe: „Vor Zeiten sind nit gewesen also viel (^laelisorini oder Gebetbücher). Ehe der Druck ist aufkommen, sind nit über zwey oder drey in der ganzen Schul gewest, geschrieben auf Perment. Da hat es Niemantz gesagt denn (als) der ",7N (Oüassan oder Vorsänger): als man hat gehat für (vor) Zeiten (Fürsänger); (Gelehrte Fürsteher) sehn gewest; der hat wohl verständen was er gesagt hat, die andern haben all zugehört, dem wie er sagt (sprach); daß keiner niets hat gesagt (gesprochen), der cs nit verstanden hat; aber itzunder hat ietlicher vor sich ein groß H7N72 (Gebetbuch) und schreyt höcher as der 1'" und sagt (spricht), und wissen nit, was sie sagen; gleich as ein Vogel, der da schreyt, oder as ein Hund, der da bellt und der nit weiß was er bellt, darum is es gar eine wunderliche ^ach', unsere schöne liebliche (Gebetter), die wir haben, und sollen sie asso hinweg bringen mit Ohnverstand und Ohnvernunst, daß wir sollen drein schrehen und hören den ^7N kein Wort nit zu. Wär es nun nit besser, daß wir sotten still schweigen und solten dem ^7ri zuhören?" So lautete später die Klage derjenigen, welche ihren stillen feierlichen Gottesdienst nicht vergessen konnten und sich nicht mit den in dieser Beziehung von einem neuen Geschlecht vorgenommenen Aenderungen zu befreunden vermochten. Uebrigens herrschten bei den Alten auch manche Gebräuche, die der Neuzeit nicht zusagten; so wurden unter andern: die „Hochzeiten" am liebsten am Sabbat gehalten. Bis zur theilweisen Zerstörung der Stadt Nürnberg im Jahre 1104 n. Chr. durch Kaiser- Heinrich V. betrachtete man jede jüdische Hochzeit gleichsam als eine Volksfestlichkeit, denn es war mit derselben nicht nur ein großartiger Schmaus auf den: Rathhause verbunden, welcher von den jüdischen und christlichen Nathsherren auf gemeinschaftliche Kosten veranstaltet wurde, sondern die Armen .der damals noch nicht allzu volkreichen Stadt erhielten bei dieser Gelegenheit von den Juden reiche Spenden, und gar manche arme christliche Braut schloß die reiche jüdische Rathsfrau in ihr Gebet ein, welche sie an diesem Tage mit eurer Ausstattung oder der zur Erreichung ihrer Wünsche nöthigen Geldsumme bedacht hatte. Dieses günstige Verhältniß zwischen Juden und Christen wurde nun freilich nach Wiederaufbauung der Stadt nicht nur gestört, sondern durch die sich immer mehr in Deutschland geltend machende Anmaßung des Papstes und des römischen Klerus beinahe irr ein feindliches verwandelt, aber dennoch hielt man später die Hochzeiten meist am Sabbat, denn man glaubte, daß die an diesem heiligen Tage geschlossenen Ehen in jeder Beziehung nur glücklich werden würden. In welch hohem Ansehen die Rabbiner Nürnbergs, die im Volksmund den Namen „Judenmeister" führten, und die einem Hauptrabbiner, „Bischof" genannt, untergeordnet waren, bei den Gemeinden anderer deutscher Städte wegen ihrer Gelehrsamkeit standen; wie sie selbst den: Kaiser offen zu widersprechen und entgegenzuhandeln wagten, ja sogar den auch ihnen vom Kaiser gesetzten „obersten Hochmeister über sämmtliche Gemeinden deutscher und welscher Lande" in den Bann Lhaten und andere Gemeinden zun: Ungehorsam veranlassen; dies alles werde ich in dem Artikel „Bet ha-midrasch der Juden von Nürnberg" darzulegen und urkundlich zu beweisen suchen. Zum Schluß dieses Artikels will ich nun, um in einer Reihe von Aussätzen ein möglichst vollständiges und lebendiges Bild des ehemaligen „jüdischen Lebens und Treibens" in der alten Reichsstadt zu bieten, einem ältern in Nürnberg veröffentlichten Werke mannichsache darauf bezügliche Schilderungen entnehmen, welche das Interesse meiner israelitischen Leser um so mehr erregen dürften, als sich *

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