Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 423 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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vr. Eduard Kley. 423 Standpunkte der Propheten, die nie in irgendwelchen einzelnen Vorschriften, besonder» gottesdienstlichen Gebräuchen oder Einrichtungen die Quelle der Erkenntlich und des Verderbens fanden. Keines dieser Dinge trifft den Punkt, wo Wahrheit und Lüge, Freiheit und Knechtschaft sich scheiden. Alis diesem Standpunkte kämpft Kley nicht mehr an gegen die Formen des synagogalen Lebens, sondern fragt einzig nach dem Werth, der diesen Dingen beigelegt wird; und der unbedingte, unveränderliche Werth ist für ihn nichts anderes als der rücksichtslose Gehorsam gegen die Stimme des Gewissens. Das ist für ihn der Punkt, auf dem es sich entscheidet, ob wir Freie oder Knechte sind, und weil er unbedingtes Vertrauen hat auf den göttlichen Geist, der das Fundament des Judenthums ist, und von dem allein er jeden Theil des von diesem aufzubauenden Heiligthums der Erkenntniß getragen sehen will, darum richtet er an Gegner und Genossen nur die eine Frage, ob sie keine andern Götter ehren als den Allgegenwärtigen, der durch die Stimme des Gewissens selbst zu jedem in der Sprache redet, die ihm verständlich ist. Allen wiederholt er immer aufs neue seinen Wunsch, sie möchten sich miteinander zu Einer Geineinschaft zur Förderung der Verehrung Gottes im Geiste und in der Wahrheit verbinden, wie sehr auch ihre synagogalen Einrichtungen, Gebräuche und Symbole voneinander abweichen. Dies derGeist und der Grundzug seiner gediegenen Predigten, die nicht, wie viele landläufig gewordene jüdischen Kanzelerzeugnisse, ihre Gedankenarmuth und Inhaltslosigkeit durch Einquartierungen aus Talmud, Midrasch und Sohar zu schützen suchen; Kley ist ein tiefer Denker, fordert Hörer und Leser zum Denken auf und bringt sie znr Erkenntniß, daß Autoritäten Beweise für Thatsachen, aber keine Gründe für Urtheile sind, die einzig aus der Natur der Sache hergenommen werden müssen. Dazu kommt noch die Leichtigkeit des Ausdrucks, die jede Spur der vorgängigen, oft verwickelteil, mühsamen Vermittelung vergessen läßt, was lediglich daraus entspringt, daß er das, was er ausspricht, auch beständig durchlebte; und so zeigen alle seine Schriften Tiefe des Gehalts im Bunde mit Klarheit der Form, männliche Offenheit und rücksichtslose Entschiedenheit, der alles Liebäugeln mit der gerade beliebten Tagesmeinung durchaus fremd ist, mit Einem Wort, einen Charakter. Und bei dieser strengen Geschlossenheit bekundet er offene Empfänglichkeit für die Arbeiten anderer in seinem Fache, und init echt wissenschaftlichem Sinne, dem es schlechterdings nur auf die Sache uud ihre objective Förderung, nicht im mindesten auf die Person ankommt, zollt er neidlose, freudige Anerkennung zeitgenössischen Verdiensten und Hingebung an die That anderer, wovon namentlich sein „Israelitisches Gesangbuch" Zeugniß gibt. Kley's Verdienste als Schulmann hat zur Feier seines siebzigsten Geburtstags I)r. H. Jonas in einer schön geschriebenen LebenZskizze (Hamburg, 1859) geschildert, auf die ich verweise; nur war es uns darum zu thun, dem verdienten Manne seinen Ehrenplatz in der Geschichte der Reform des Judenthums anzuweisen. Eines Denkmals von fremder Hand bedarf er nicht, er hat sich außer den bereits genannten noch eins 1859 selbst errichtet, indem er die ihm an seinem Jubeltage von den früher« Zöglingen der israelitischen Freischule sowie den Religionsschülern der Tempelgemeinde zur Verfügring gestellten -lOOO M.Beo. zu einer Eduard- Kley-Stiftung für hochbejahrte, wohlverdiente, unversorgte Lehrer und Lehrerinnen bestimmte. Die von ihm verfaßten Statuten besiegeln durch ihre Klarheit und Bündigkeit sein Dichterwort: Was Geist von Geist erfaßt, Hat Ewigkeitsgehalt. Das vollständige Verzeichniß seiner Schriften ist: 1) Mit C. F. Günsburg, Erbauungen, oder Gottes Werk und Wort. Wochenschrift zunächst für Israeliten. Zwei Jahrgänge. Berlin, Maurer, 1813 und 1814. 2) NiN'' nii" Katechismus der mosaischen Religion. Berlin, Maurer, 1814. 3. völlig umgearbeitete Ausl., Leipzig, Rudel, 1839.