Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 422 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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422 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. drücke, die Eduard Kley während seiner Jugend von seiner Zeit und dem jüdisch-religiösen Leben empfing. Sein Weg, das sahen wir oben, führte ihn mitten durch das Leben und dessen Widersprüche hindurch, und er besaß die Eigenthümlichkeit, sich mit offenem Sinne allen Erscheinungen des Lebens hinzugeben. Der Bildungsgang, den Schicksal und eigene Wahl ihn führten, gewöhnte ihn von Anfang an daran, äußeres und inneres Leben, Vergangenheit und Gegenwart, Idee und Wirklichkeit zu einem Gesammtbild des Menschenlebens zu vereinigen, und erhoben durch die Weisen und Dichter des Alterthums über die Beschränktheit eines national-jüdischen Lebens, studirte er mit Eifer die Offenbarungen der Heiligen Schrift und meinte die Lebensanschauungen, welche er sich gebildet, in der Bibel wiederzufinden und übertrug sogar seine Grundanschauung auf die Satzungen des Pentateuchs. Doch fesselte ihn vor allem der Muth und die Zuversicht des Propheten im Kampfe gegen die Werkheiligkeit, und diese siegesgewissen Wahrheitszeugen wurden ihm Muster zur Nacheiferung in einein ähnlichen Kampfe gegen den abgestandenen und verschalten Rabbinismus. Schon in seinen berliner Predigten sprach er nachdrücklich gegen rabbinische Satzungen, und von der Nothwendigkeit, mehr Widersprüche zu beseitigen, als Jakobson anzutasten wagte; aber den eigentlichen Wendepunkt in seinem Leben bildet seine Wahl zum Prediger am Tempel zu Hamburg. Mit Annahme dieses Rufes erhob er das Banner der Reformation des Judenthums, um seine deutschen Glaubensbrüder von der Herrschaft des Rabbinismus zu befreien. Von jetzt an haben Lob und Tadel für ihn alle Bedeutung verloren, wenn sie sich nicht auf die Tugend beziehen, die ihm fortan statt aller gilt, nämlich auf die Treue und Ausdauer in diesem Kampfe. Unter Reform verstand er zwar, wie wir es thun, den Inbegriff der Veränderungen, welche erforderlich sind, um das Judenthum von den Widersprüchen zu befreien, die zwischen ihm und den Grundsätzen der Propheten obwalten, aber er hat bei seiner resormatorischen Wirksamkeit die richtige Stellung der Synagoge als Kirche zur Volksgemeinde übersehen. Seine Ansicht über diesen Punkt war, wenn man von den durch die Umstände und seinen Charakter bedingten Unterschieden absieht, dieselbe, zu der sich die übrigen zeitgenössischen jüdischen Reformatoren bekannten. Sie billigten alle eine Art unmittelbarer Verbindung zwischen der Synagoge und dem Leben des Volks, ohne zu bedenken, daß sie sich dadurch im Gegensatz zu den Propheten befanden, auf die sie sich immer beriefen. Denn im Sinne der Propheten ist die Synagoge eine in Freiheit und Selbständigkeit geschlossene Gemeinschaft zur Verehrung Gottes im Geiste und in der Wahrheit, in der die Selbstbestimmung, durch welche der Wille des Menschen der Erkenntnis; und Verwirklichung des Gesetzes der Wahrheit sich weiht, die leitende Idee ist. Aus dein Uebersehen dieser Aufgabe erklärt sich die Halbheit der sogenannten.Syncu gogen- und Tempelreform und ihre geringe Wirkung auf das Leben. Kley fühlte dies bald, ohne jedoch des Jrrthums sich klar bewußt zu werden; er wandte sich daher, unbekümmert um den Federkampf über den sogenannten Tempelstreit, den er als theologische Klopffechterei betrachtete, an die Lösung der Aufgabe, die sich auf den innern Ausbau der synagogalen Gemeinschaft bezieht, und wirkte fortan in dieser Richtung, indem er unter den mannichfachsten Formen nachdrücklichst lehrte, daß, um die synagogale Gemeinschaft zu reinigen und zu heiligen, um sie vom Aberglauben zu befreien und zur Erkenntniß des Göttlichen zu führen, es nothwendig sei, unsere sittlich-religiöse Erkenntniß zu erweitern und die Erscheinungen des Guten und Bösen auf die einfachsten Gesetze der freien Liebe zur Wahrheit und der entgegengesetzten Furcht, des Wohlwollens und der: entgegengesetzten Vergeltring des Bösen mit Bösem zurückzuführen. Je weiter er diesen Weg verfolgte, desto mehr näherte er sich wieder dem