Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Journal
- Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
- Volume
- II. Band (1865-1866)
- Issue
- Heft 6 (März 1866)
- Date
- 1866-03-01
- Page
- Seite 421 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Dr. Eduard Kley. 42l hoben wurden und noch heute zu den beliebtesten der Gemeinde gehören; aber der Reichthum seiner innern Welt, die Werde- und Strebelust seines reformatorischen Geistes entfaltete sich in den herrlichsten Blüten in seinen noch für lange Zeit mustergültigen Predigten, die an der Fülle lind Tiefe des Gedankens, an der logischen Folgerichtigkeit, an der gesunden Texterläuteruug, Klarheit und Reinheit des Aus- Vorstellung bedurfte der Jude auf seinem Wege zum Himmel einer höhern Leitung; aber die Rabbiner, welche diese Vormundschaft bisher geführt hatten, entsprachen dem fortgeschrittenen Zeitbewußtsein so wenig, daß sie nach dein Urtheil der öffentlichen Meinung zur fernem Verwaltung dieses Amtes durchaus untauglich schienen. Die Achtung vor ihnen schwand immer mehr lind mehr, und bald büßten sie auch drucks den treuen Schüler Schleiermacher's erkennen lassen. Um nun die reformatorische Richtung Kley's aus dein richtigen Gesichtspunkte zu würdigen, ist es nöthig, in einigen Strichen die jüdisch-religiösen Verhältnisse in Deutschland zu Anfang dieses Jahrhunderts zu charakterisiren. Die Zeit, in welche der erste Lebensabschnitt Kley's fällt, hatte ein Helles Licht auf den Widerspruch geworfen, der im Laufe der Zeit entstanden war zwischen den Ansprüchen der Synagoge und ihren Leistungen, zwischen dem, was das alte Judenthum zu bieten hatte, und dem, was die Zeit forderte. Nach der gäng und gebe gewordenen die geistige Ueberlegenheit ein, die ihnen der Besitz der Kenntniß des Talmuds so lange gesichert hatte. Die Schöpfungen der deutschen Wissenschaft und Kunst übten auf alle strebenden jüdischen Gemüther eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. "Neben der Schönheit, Fülle und Kraft des Gedankenlebens, die sich hier offenbarten, erschien alles, was die Synagoge als jüdische Kirche aus ihren bisher gepflegten talmudisch-rabbinischen Mitteln zu bieten hatte, vom Geiste verlassen, armselig, abstoßend, und so wurden die Rabbiner wegen ihrer Unwissenheit und Geschmacklosigkeit zum Gegenstände der Misachtung. Derart waren die Ein-