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Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums · 1866-03-01 · Heft 6 (März 1866) · p. Seite 420

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Journal
Illustrirte Monatshefte für die gesammten Interessen des Judenthums
Volume
II. Band (1865-1866)
Issue
Heft 6 (März 1866)
Date
1866-03-01
Page
Seite 420 (sequence 20)
Language
German
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420 Jllustr. Monatsh. für die gef. Interessen des Judenthums. lichkeiten und Ausflüchte. Suche ich aber einen Mann von Geist auf, so würde ich von ihn: schlecht ausgenommen werden, wenn er mir Güte und Anstand in niedlichen Stückchen anbieten würde; vielmehr soll er fest auf seiner Stelle stehen und mich ihn verstehen lehren, wenn es auch nur sein Widerstand wäre, und mich erkennen lassen, daß ich einer neuen, wirklichen Wesenheit begegne, eine große Erfrischung für uns beide." Diese Worte R. W. Emerson's nehme ich für mich in Anspruch, um in einigen Zügen das Bild eines Mannes zu zeichnen, der, wie wenige, mit ruhiger Sicherheit, mit lebendiger Klarheit sich in einem weiten Felde der Intelligenz bewegend, ohne Schaugepränge der Mitbegründer des neuen jüdischen Gottesdienstes, der neuen jüdischen Predigt und der Reform des Judenthums in Schule und Haus ist und nunmehr im hohen Alter den frohen Anblick der gedeihlichen Fortentwickelung der von ihm umsichtig gestreuten Saat genießt. Dieser Mann ist vr. Eduard Israel Kley, dessen äußere Lebensgeschichte sich in Folgendem zusammenfaßt. Er erblickte am 10. Juni 1789 zu Bernstadt in Schlesien das Licht der Welt, verließ als zwölfjähriger Knabe die Heimat und besuchte die königliche Wilhelmsschule (jüdische Freischule) zu Breslau vier Jahre unter Professor Aron Wolfsohn, wo er mit ebenso guten: Erfolg lernte, als gleichzeitig lehrte, indem er zur Besorgung seines Unterhaltes Unterricht gab. Bald als Unterlehrer bei dieser Lehranstalt beschäftigt, besuchte er zugleich das dortige Mariengymnasium unter Manso, wo ihn. besonders Prof. Kannengießer's Unterricht anzog. Im Jahre 1809 von dem Bankier Jakob Hertz Beer in Berlin zum Hauslehrer engagirt, war er Erzieher des bekannten, frühverstorbenen Dichters Michael Beer, 'Bruder des Componisten Meherbeer, besuchte zu gleicher Zeit an der dortigen Universität die philosophischen, philologischen und theologischen Vorlesungen von A. A. Wolf, Böckh, Bernstein, Jdeler, Willen, De Wette, Schleiermacher, Fichte, Bellermann und Weiß; wurde dann im Jahre 1815 Erzieher der später wohlrenommirten Kaufleute Gebrüder Berend in Berlin und folgte endlich l817 dem ihm von Hamburg gewordenen Rufe als Oberlehrer und Leiter der dortigen, seit 1815 unter Führung des nachmaligen Professors Hanno in Heidelberg bestandenen israelitischen Freischule, die durch ihn zu einem Muster für Lehranstalten ähnlicher Art geworden ist. An diesem Institut, welchem er bis 1856 als leitendes Oberhaupt mit scharfblickender Umsicht und zärtlicher Sorgfalt Vorstand, war es, wo seine tüchtige, geräuschlose, aber innerlich gesunde Thätigkeit für die in Deutschland unabweisbar gewordene Reform des Judenthums sich zu einer Höhe entwickelte, die erst von den Bestrebungen der letzten Jahrzehnte überholt worden ist. Hatte Kley schon während seines Aufenthalts in Berlin, wo er neben I. Auerbach und C. F. Günsburg als Prediger in der Privatsynagoge des um die religiöse Erhebung seiner Glaubensgenossen so hochverdienten Israel Jakobson fungirte, dadurch Hand an das Werk der Reform gelegt, daß er m Verein mit Günsburg die Wochenschrift „Erbauungen" (1813 und 1814), und dann allein n-nr', Katechismus der mosaischen Religion" (1814) herausgab, so entwickelte er die Thätigkeit in dieser Richtung immer weiter und nachdrücklicher in seiner neuen Stellung, durch Einführung des Gesanges deutscher Lieder in die Schule, sowie durch freie Vorträge beim Religionsunterricht, welche er sonntäglich vormittags in der Schule öffentlich hielt, und schuf so den neuen Tempel, den er am 18. Oct. 1818 einweihte und dessen erster Prediger er bis zum 9. Mai 1840 blieb, wodann er freiwillig sein Amt niederlegte. Waren bei Bearbeitung des neuen Tempelgebetbuchs die von Kley in seiner „Deutschen Synagoge" aufgestellten und durchgeführten reformatorischen Grundsätze maßgebend und viele seiner schönen Üebersetzungen dem Gebetbuch einverleibt worden, so war dies noch mehr mit seinen „Religiösen Liedern" der Fall, die zu Tempelgesängen er-

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